Wer sich auf Instagram mit Landschafts-, und Outdoorfotografie beschäftigt, kommt zwangsläufig nicht an Namen Hannes Becker, Frauke Hagen oder Daniel Ernst vorbei. Hunderte dieser “Fotografen” kommen täglich dazu und der breiten Masse gefällt die Verbindung aus Nebel, fehlendem Schwarz, Pastellfarben und den gelben Jacken. Man sieht die schönsten Orte, aus den besten Blickwinkeln – und das ohne sich von der Couch zu bewegen. Doch zu oft wiederholen sich die Motive sowie der Bildlook…

Fehlende Kreativität / Copy & Paste

Manchmal fühlt man sich auf Instagram in einer Endloschleife. Gleiche Motive, gleicher Look, gleicher Bildaufbau und nicht selten der gleiche Instagrammer. Die eigene Kreativität bleibt auf der Strecke.

Fast jeder dieser Fotografen vertreibt seine “eigenen” Presets für teils 20-30€ und wirbt mit dem einzigartigen Bildlook. Die Locations, um die genau gleichen Bilder zu fotografieren, werden gleich mitgeliefert.

Lifestyle auf Instagram

Ziemlich oft sind Bilder mit einem Lagerfeuer an einem einsamen See zu sehen. Meist steht in der Bildbeschreibung, wie schön dieser Abend/Morgen an diesem See in der einsamen Natur gewesen ist. Keine 2 Stunden später wird in der Story das 4-5 Sterne Luxushotel in den Bergen beworben. Vor einigen Wochen sah ich einen Post eines Fotografen auf Instagram. Ein Model steht mit gelber Jacke am Pragser Wildsee. Nicht selten stehen hinter der Kamera 6-7 weitere Fotografen die nur darauf warteten, Ihren einzigartigen Moment mit einem Model in gelber Jacke oder im Poncho festzuhalten. Solche Szenen ereignen sich fast täglich an vielen Orten in den Alpen oder woanders auf der Welt. Am Pragser Wildsee standen im August 2018 über 25 Fotografen und warteten, bis die berühmte Treppe durch ein anderen Fotografen geräumt wurde um mit der Freundin den Shot für Instagram zu fotografieren.

Gelegentlich wird auch ein Zelt aufgebaut um den Followern zu suggerieren, der Instagrammer hätte die Nacht draußen in der Natur verbracht. Für mein Verständnis hat dies nichts mit Storytelling oder der Landschaftsfotografie zu tun. Das ist eine Jagd nach dem tausendsten Like und den nächsten hunderten Followern. Darum geht es vielen dieser Fotografen und nicht dem Erlebnis drußen in der Natur. Das Erlebnis und der einsame Morgen am See ist immer häfiger nur eine Illusion auf dem Foto…

Gesetze und Verbote werden ignoriert

Wenn ich zum Fotografieren unterwegs bin, achte ich auf die Gesetze vor Ort bzw. die Verbote um die Natur zu schützen. Leider sehe ich auf Instagram häufig Bilder, welche ein Verbot brechen.

In der Schweiz wurden in den vergangenen 2-3 Jahren die Flugverbotszonen für Quadrokoptern (bzw. Dronen) ausgeweitet um die Natur und deren Tiere bestmöglich zu schützen. Im Norden der Schweiz ist diese Location als Flugverbotszone für Drohnen ausgewiesen. Denoch konnte ich während meinem Besuch vor Ort insgesamt 4 Drohen von DJI erblicken. Nachdem ich die Kopterpiloten darauf ansprach, wurde mir gesagt, dass mich dies nichts angehen würde. Im Grunde kann mir das auch egal sein. Jedoch werden durch solche Verhaltensweisen die Gesetze und Verbote für ALLE Fotografen, Wanderer und Naturliebhaber verschärft.

In den letzten Monaten häuften sich solche Situationen. Ja, ich selbst flog bis vor 2 Monaten selbst mit einem Quadrokopter. Jedoch imformierte ich mich ausreichend über die Gesetzeslage und Verbote vor Ort und ließ die Drohne je nach Gesetzeslage nicht aufsteigen. Viele “Instagrammer” möchten mit den Bildern aus der Vogelperspektive möglichst viel Aufmerksamkeit sowie Likes und Follower auf die eigene Seite locken.

Die Rakotzbrücke in der Sächsischen Schweiz seit dem Red Bull Illume Award 2016 weltberühmt.

Durch den Instafame besuchen von Tag zu Tag noch mehr Menschen die sanierungsbedürftige Brücke und wer sich auf Instagram umschaut, stellt schnell fest, dass dort diverse Fotos mit Menschen auf der Brücke zu finden sind. Die Verbotsschilder sind nicht zu übersehen und ich persönlich verstehe nicht, wie egoistisch man sein muss, um für ein Foto in Kauf zu nehmen, dass ein unter Denkmalschutz stehendes Bauwerk eventuell einstürzt.

Meiner Meinung nach ist diese Art der Fotografie und Bildbearbeitung Gift für die eigene Kreativität. Jeder Fotograf sollte sein eigenen Bildstil finden und nicht irgendwelche Presets draufklatschen. Ich möchte niemanden persönlich angreifen, aber Kunst der Fotografie liegt (meiner Meinung nach) darin, sich von der breiten Masse und anderen Fotografen zu unterscheiden. Doch in Zeiten von Gelben Jacken und Bildbearbeitung mit Presets ist der Wiedererkennungswert meist nur zweitrangig.

Eine Idee zu “Kreativität auf Instagram

  1. Marco Esposito sagt:

    Hallo Florian!
    Dein Blog-Eintrag gefällt mir sehr gut.
    Vor allem als „Anfänger“ in der Fotografie (so wie ich) fühlt man sich von diesen „perfekten“ Bilder schnell unter Druck gesetzt. Gerade weil diese Bilder bei der breiten Masse sehr gut ankommen bleibt der Anfänger mit seinen Bildern meist auf der Strecke. Das ist schade und kann manchmal ziemlich frustrieren.

    Grüße Marco

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