Seit über 3 Jahren möchte ich die Lofoten in Norwegen besuchen. Endlich bot sich mir die Gelegenheit und ich plante die Fotoreise mit Bastian nach Norwegen.
Eine Woche vor Abflug verabschiedete sich mein Fernauslöser meiner Nikon D800. Schnell noch vorm Wochenende freitags zum Nikon Service nach Dreieich und einen Kostenvoranschlag für die Versicherung erstellen lassen. Neben dem Anschluss für den Fernauslöser war auch der Slot für CF Karten defekt. Vor Ort vereinbarten wir direkt die Reparatur am folgenden Dienstag. Nach der Reparatur ging der Slot für die SD Karte nicht mehr. Leider wurde mir dies nicht mitgeteilt, sonst hätte ich die Kamera direkt reparieren lassen. Am Dienstagabend noch schnell in den Fotoladen in der nächsten Stadt und nach einer CF-Karte erkundigt und ausprobiert. Es funktionierte! Hätte die Kamera nicht die CF-Karte erkannt, wäre das große Problem nicht weit weg gewesen.
Kurz darauf eine CF Karte mit 64GB bei Anazon bestellt und am Freitag ging es nach Darmstadt.

Abflug nach Norwegen, Tag 1

Abflug ist Samstags um 6:45. Insgesamt hatte ich zwei Möglichkeiten.
Erstens, ich fahre mit dem letzten Zug zum Flughafen Frankfurt oder ich übernachte bei Bastian um am folgenden morgen um 4:30 zum Flughafen aufzubrechen. Ich entschied mich für die entspannte zweite Lösung. Schließlich stehen mir noch viele Schlafraubende Nächte bevor.
Bereits um 4 Uhr klingelte der Wecker. Nachdem die letzten Dinge in den Koffer gepackt wurden, ging es mit Bastian nach Frankfurt zum Airport. Nach der Gepäckabgabe fragte ich nach einem Upgrade in die Business Class. Jedoch sind Upgrades nicht auf Kurzstreckenflüge verfügbar.
Pünktlich um 8:45 landeten wir am beschaulichen Flughafen in Oslo. Leider hieß es dort Gepäck abholen, Gepäck aufgeben und weiter zur Sicherheitskontrolle.
Selbstverständlich wurde meine DJI Phantom wieder auf Sprengstoff überprüft. Nach dem Sicherheitscheck suchte ich mir einen gemütlichen Platz da das Boarding erst 2 Stunden nach Ankunft beginnt.
Nach der Landung in Tromsö erstmal für die nächsten 2-3 Tage eingekauft. Aufgrund der guten Wettervorhersagen entschieden wir uns, danach zum Stetind zu fahren um Nachts die Polarlichter zu fotografieren. Zu Beginn der Blauen Stunde konnten wir die ersten Nordlichter beobachten. Doch zum Fotospot sind wir noch 2 Stunden unterwegs. In den Täler der hohen Berge lag die Temperatur meist zwischen -14 Crad und -22 Crad. An dem Fjorden meist bei -10 Crad. Bei Navik hielten wir kurz an, um ordentliche und warme Kleidung anziehen. Gegen 19:30 erreichten wir unser Ziel, jedoch verließen uns kurzzeitig die Polarlichter. Ich kletterte über die schneebedeckten Felsen um näher an den Wasserfall zu kommen. Das intensive und für Fotos interessanteste Polarlicht schickte und die Sonne nur 2 Minuten. Die restlichen 2 Stunden warteten wir vergeblich auf ein erneutes Aufflackern.
Die Aktivität der Polarlichter ließ nach und wir buchten ein Hotel unweit der Location. Kurz vor Mitternacht checkten wir ein und uns erwartete für 75€ p.P ein einfaches Hotelzimmer ohne sonstigen schnickschnack.

Lofoten wir kommen! Tag 2

Nach einem vielfältigen Frühstück mit Rührei und Bacon ging es auf die Lofoten. Uns stehen 5 Stunden fahrt inkl. Fähre bevor.
Von Skarberget in 20 Minuten nach Bognes und von Bognes in einer Stunde weiter nach Lødingen.
Am Haukland Beach angekommen, folgte die kurze Enttäuschung. Über 30 Fotografen wollten den Sonnenuntergang am bekanntesten Strand auf den Lofoten fotografieren. Auf dem ersten Blick konnte ich keine vernünftige Komposition finden. Nur langweiliger Vordergrund und zu viele Fotografen die im Bild herumlaufen. Nach über 15 Minuten sah ich eine kleine Pfütze mit Spiegelung.
Nach dem zunächst enttäuschenden Sonnenuntergang fuhren wir durch den Tunnel in 10 Minuten zu einem anderen Strand um die Location zu scouten. Auch nach 2 Stunden war keil Polarlicht zu sehen. Wir warteten im Auto auf die ersten Hinweise im Magnetometer. Endlich kamen die ersten Bänder der Polarlichter hervor und wir zogen die Spikes an und liefen zum Strand. Die Spikes sind unbedingt im Winter erforderlich, da bei Ebbe das zurückgehende Wasser auf den Felsen gefriert. Nach kurzem kam eine Truppe und zündete unweit vom Ufer ein Lagerfeuer an, welches die gesamte Umgebung in oranges Licht tauchte. Ich dachte mir nur, warum heute? Insgesamt hätte die Ausbeute besser sein können. Bereits nach einer Stunde kam eine Wolkenfront hinein und die Chance auf schönes Polarlicht war dahin. Kurzentschlossen buchten wir ein Hotel in Reine. Auf dem Weg dorthin hielten wir noch am Skagandenbeach an um ggf. das Polarlicht zu fotografieren. Kaum kamen wir dem Parkplatz näher schloss sich die Wolkendecke und ein Schneeschauer überquerte und nach dem anderen. Die Müdigkeit setzte zu und wir checkten im Hotel ein.

Locations scouten, Tag 3

Endlich auf den Lofoten angekommen stand am ersten Tag das Scouting auf dem Plan. Locations für den Sonnenuntergang, die Nacht sowie Sonnenaufgang suchen. Nach einer kurze Suche konnten wir die Location für den Sonnenuntergang bei Veraid finden. Jedoch zog im 5-Minuten-Takt ein Schneeschauer über uns hinweg und andauernd musste die Linse sauber gehalten werden. Vergeblich warteten wir auf das schöne Licht.
Der Himmel sollte am Abend etwas auflockern und damit die Sicht zu den Polarlichtern freigeben. Deshalb fuhren wir zum Skagsanden Beach um dort die Aurora zu fotografieren. Bastian watete im Auto während ich den Strand erkunden und interessante Vordergründe für das Polarlicht suchte. Andauernd überquerte uns ein Schneeschauer und wir gaben die letzte Hoffnungen auf. Auf dem Rückweg hielten wir schnell in Hamnoy an um das Dorf mit dem bekanntesten Berg der Lofoten bei Nacht zu fotografieren. Wieder ohne Erfolg.
Zurück im Hotel stellten wir den Wecker für 2 Uhr und 4 Uhr um das Magentometer zu checken und ggf Polarlicht zu fotografieren. Währenddessen schaute ich das Magnetometer an und wir packen schnell unsere Sachen zusammen und fuhren wieder nach Hamnoy. Nun haben wir 2.45 und eigentlich wollten wir um 7:30 den Sonnenaufgang fotografieren. Das fällt nun aus ????

Willkommen in Nusfjord, Tag 4

Nach einem kurzen Frühstück schaute ich mir die Wettermodelle für die nächsten Tage an. Eigentlich können wir dem schlechten Wetter nicht entfliehen. Die nächste Möglichkeit, nacht die Polarlichter zu fotografieren, hätten wir in Nordschweden und damit würden über 7 Stunden fahre auf uns zukommen. Kurz vor Check-Out packten wir unsere 7 Sachen und machten uns auf den Weg nach Nusfjord. Kurz nach Reine hielten wir am Parkplatz an und ich ließ meine Phantom die Rotoren starten und Reine von Oben zu fotografieren. Bis dato hielt sich die Windgeschwindigkeit in Grenzen. Bereits 10 Minuten später war ein erneuter Flug bei Hamnoy unmöglich. Nach 30 Minuten erreichten wir das beschauliche Fischerdorf Nusfjord. Das kleine Fischerdorf Nusfjord erinnert mehr an eine Filmkulisse statt an ein abgelegenes Fischerdorf. Wir suchten einen passenden Spot, an dem wir Polarlichter fotografieren könnten. Dabei achte ich immer, dass der Blickwinkel grob nach Norden geht und ein interessanter Vordergrund (z.B. Häuser, Eis oder Felsen) vorhanden ist. Durch den Schneesturm ging es von Nusfjord weiter in den Süden der Inselgruppe nach Å i Lofoten. Spontan ein Hostel für 180€ / 2 Nächte gebucht. Nachdem einige Mails beantwortet wurden gemütlich im Restaurant für 50€ gegessen. So darf der Abend enden ????

Unerwartet schön! Tag 5

Am Tag 5 in Norwegen und Tag 3 steht nicht viel auf dem Plan außer für die nächsten Tage vorbereiten und Video schneiden sowie Mails beantworten. Am Nachmittag schauten wir aus dem Fenster und beobachten andauernd vorbeiziehende Schneeschauer. Zwischen den Schneeschauern suchten wir eine gute Location um A i Lofoten im schönen Licht zu fotografieren. Während die Wolken die Sonne verdeckte, kamen weiter fotografen. Doch kurz bevor die Wolken das Licht der Sonne freigaben, gingen die meisten wieder zurück zum Auto. Dort konnte ich endlich wieder meine Phantom fliegen lassen. Die Tage zuvor war es zu windig oder es bot sich nicht an.
Zum Abend lockerte der Himmel immer mehr auf und wir schauten öfters aus dem Fenster um kein Polarlicht zu verpassen. Am Abend versuchten wir mehrmals unser Glück jedoch wurden wir nur in Reine für kurze 2 Minuten belohnt. Nachdem wir zurück im Hotel gewesen sind noch schnell die Wettermodelle gecheckt und uns auf spannende nächste drei Tage mit viel Polarlicht gefreut.

Skagsanden Beach, Tag 6

Der nächste Tag begann recht gemütlich. Nach einem Frühstück und etwas PC Arbeit checken wir mit gutem Gewissen die Wettermodelle. Überrascht wurden leider nur negativ. Die gesamte Wolkenfront erstreckt sich 1000 km nördlich ja als am Vortag berechnet. Somit sind wir direkt in den Wolken drin und haben fast keine Chance das Polarlicht zu fotografieren. Die Unterkunft ist bereits gebucht und wir müssen das Beste draus machen.
Erstmal wieder 2-3 Locations gecheckt. Auf dem Packplatz gab es Toastbrot mit Mayo, Käse und Salami zum Mittagessen. Währenddessen fuhr eine Fotografin mit ihrem PKW in den Schnee und kam nicht mehr alleine aus dem Schnee heraus. Mehrmals versuchen Bastian und ich das Auto rauszudrücken jedoch ohne Erfolg. Keine 5 Minuten später kam ein sehr zuvorkommender Norweger und half Ihr aus der Patsche. Nachdem wir den Spot für den Sonnenuntergang ausgesucht hatten, buchten wir das nächste Hotel bei Ballstad. Nach Sunset konnte es weiter an den Skagsanden Beach gehen. Dort fotografierten wir den Sonnenuntergang. In unserem Hotel muss bis 22 Uhr eingecheckt werden. Wir entschieden, nach Sunset schnell nach Ballstad zu fahren um den Schlüssel abzuholen.
Zurück am Skagsanden Beach ließ das Polarlicht erstmal auf sich warten. Währendessen kam ich mit anderen Fotografen aus Deutschland ins Gespräch. Auf den Lofoten sind gerade im Winter überwiegend Fotografen unterwegs. Bereits nach wenigen Minuten zeigte sich das Polarlicht in seiner schönsten Form!

Kein Erflog, Tag 7

Am darauffolgenden Tag schliefen wir erstmal bis 12 Uhr und danach folgte der Brunch. Zum Abend fuhren wir erneut zum Uttakleiv Beach. Kurz vorher hielten wir nochmals am Haukland Beach an um auf den Sunset zu warten. Dort konnte ich bei Ebbe keinen ordentlichen Bildaufbau finden weshalb ich mich auf den Felsen saß und einfach den Sonnenuntergang ohne Ablenkung der Kamera genießen konnte.
Während der Fahrt zum Haukland Beach entdeckten wir aus dem Auto noch eine Mögliche Location für die Polarlichter. Diese checkten wir noch aus und warteten danach 4 Stunden auf das Polarlicht. Endlich könnten wir einen grünen Bogen sehen und fuhren schnell zum Uttakleiv Beach. Dort standen 99% der Fotografen am Parkplatz und fotografieren das Polarlicht. Wieso fährt man zu solch einer schönen Location und fotografiert vom Parkplatz? Völliges Unverständnis!
Polarlicht an diesem Abend? Kein Erfolg.

Goodbye Lofoten, Tag 8

Am Morgen des 9. März entschieden wir uns nach Nord zu fahren. Unser Ziel ist die Inselgruppe Senja. Für nur 300 Kilometer werden insgesamt 6 1/2 Stunden benötigt. Mithilfe einigen Hörbuch verging die Zeit schneller als gedacht. Gegen 18 Uhr erreichten wir endlich das Hotel im Nordwesten der Inselgruppe. Nach 4 Tagen ohne eine warme Mahlzeit freut man sich in der Menükarte „Husets Svineschnitzel med potetbater“ für 285 Kronen zu lesen. Übersetzt heißt das Schnitzel mit Pommes für 30€ ????
Am Abend klarte der Himmel auf und wir versuchten erneut unser Glück. Nicht weit vom Hotel konnten wir diese Atemberaubende Aussicht auf den Fjord die Polarlichter fotografieren.

Hello Senja, Tag 9

Bisher haben wir in einigen Hostel/ Hotels übernachtet. Doch besonders reichhaltig war das Frühstück im Skagi Senja Hotel. Nach der Stärkung ein wenig Büroarbeiten erledigt bevor es zum Scouten der neuen Locations ging. Auf halber Strecke zum Spot sahen wir zwei Personen mit Trekkingrucksack. Da es draußen etwas windig und ziemlich kühl gewesen ist, entschieden wir uns die beiden ein Stück mitzunehmen. Zurück am Tungeneset lief ich zur Location um die Kamera aufzubauen und den Bildausschnitt einzurichten. Ich war nicht alleine. Insgesamt konnte ich 12 Fotografen zählen welche jedoch keine 2 Minuten nach Sonnenuntergang zurück zum Auto liefen. Zurück am Auto legten wir ein Hörbuch von Stephen King auf damit die Zeit bis zum ersten Polarlicht schneller vergeht. Über 3 Stunden warteten wir auf die ersten Beams.
Die Wettermodelle für den nächsten Sonnenaufgang sehen gut aus. Deshalb ging es bereits um 22:30 zurück ins Hotel um genügend zu schlafen.

Kälte in Finnland, Tag 10

Die Wettermodelle berechneten Wolken über Senja und den Lofoten. Deshalb ging es in 3 1/2 Stunden nach Finnland. Nach dem Check-In im neuen Hotel nach passenden Locations gesucht. Im Lappland ist das nicht einfach. Wenig hohe Berge und kalte Temperaturen bis zu -17 Crad. Nach der Ankunft hatten wir noch 2 Stunden bis Sonnenuntergang und wir checkten schnell im Hotel ein. Für 120€ durften wir in einem großzügigen Apartment mit Sauna übernachten. Oft sind die Betten in Norwegen nur 90x200cm groß. Ich bin 193cm groß und für mich sind die Betten fast zu klein.
Noch vor einbruch der Dunkelheit sichten wir Fotospots für die Nacht. Bereits vor der Grenzüberfahrt nach Norwegen entdeckten wir eine Einsame Hütte in der teils menschenverlassenen Gegend. Im Auto warteten wir bis sich die Magnetometer bewegten. Langsam aber sicher konnten wir einen grünen Bogen am Himmel entdecken. Bei -20 Crad packten wir uns Wärmepads von TheHeat in die Handschuhe, Schuhe sowie in die Jackentasche damit die Akkus der Kamera nicht aufgeben. Die Hütte war 30-40 Meter entfernt und wir mussten uns irgendwie ohne Schneeschuhe zur Hütte begeben. Auf Knien und Händen krabbelten wir zur Hütte. Schätzungsweise 2 Meter tief.
Nachdem der Spot abgehackt war, fuhren wir weiter durch das eisige Lappland. Irgendwo im Norden Finnlands erlebte ich das bisher schönste Polarlicht meines Lebens.

Der vorletzte Tag, Tag 11

Am vorletzten Tag auf Norwegen buchten wir das letzte Hotel bei Tromsö. Dort eingecheckt über Google Maps mögliche Fotospots gesucht. Am Abend versuchten wir nochmals unser Glück, suchten eine Location nahe Tromsö und wurden mit einem wunderschönen Polarlicht belohnt.

Fazit

Keinen Sonnenuntergang fotografiert. Oft ist man in der Situation, sich für eine Sache zu entscheiden. Jedoch ist eine Entscheidung für etwas auch eine Entscheidung gegen etwas. Viele Stunden saßen wir im Auto und beobachteten die Magnetometer. Manche Nächte ohne Erfolg. Es gibt jedoch diese Nächte, die sich in meinem Kopf eingebrannt haben. Die Nacht am Skagsanden Beach ist eine davon. In 30-40 Jahren möchte ich mich an Momente wieder an diese erinnern.
Mein Ziel ist es nicht, mit 70 Jahren tausende Euro auf dem Bankkonto zu haben sondern viele einmalige Erinnerungen und Momente. Solche Dinge sind mehr wert als jeder einzelne Euro oder Gegenstand. Diese letzten Worte schreibe ich gerade am Flughafen in Tromsö während ich auf das Boarding zum Rückflug nach Frankfurt warte.

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