Wenn ich auf dieses Jahr zurückblicke, dann denke ich nicht an Termine, Reichweiten oder Zahlen. Ich denke an die Kälte in den Fingern, die nassen Schuhe und den Wind, der stärker war als geplant. Und an diese seltenen Momente, in denen draußen plötzlich alles passte, obwohl man nichts erzwingen konnte.

Landschaftsfotografie ist für mich kein Sammeln von Bildern. Es ist ein Erleben von Momenten. Manche davon sind leise und unspektakulär, andere brennen sich ein. Dieses Jahr hatte von beidem genug. Es gab Bilder, die lange vorbereitet waren. Und Bilder, die genau deshalb entstanden sind, weil nichts vorbereitet war.

Gleichzeitig war es auch eines der ehrlichsten. Ich habe gemerkt, was mir wirklich Freude macht, wo ich Energie verliere und wo ich wieder näher zu dem gekommen bin, weshalb ich überhaupt fotografiere. Weniger Tempo. Mehr Tiefe. Mehr echtes Erleben.

Dieser Rückblick ist kein Best-of im klassischen Sinne. Er ist eine Sammlung von Momenten, Entscheidungen und Gedanken, die mich in diesem Jahr geprägt haben. Er beginnt mit einem Erlebnis, das man nicht planen kann und das mir sehr deutlich gezeigt hat, warum ich die Landschaftsfotografie liebe.

Das rote Polarlicht im Pfälzerwald: Ein Moment, den man nicht plant

Der wichtigste Moment dieses Jahres war für mich ganz klar das rote Polarlicht im Pfälzerwald. Nicht nur, weil es „rare“ ist, sondern auch, weil es an einem Ort passiert ist, den ich seit meiner Kindheit kenne. Und weil es mich emotional komplett mitgenommen hat.

Dass man in Norwegen oder Island Polarlichter sehen kann, ist vielen bekannt. Dass sie jedoch plötzlich über dem Pfälzerwald auftauchen, ist eher unwahrscheinlich. Genau deshalb war dieser Abend so besonders.

Es war keine dieser Nächte, in denen man mit festen Erwartungen loszieht. Es gab kein großes Spektakel im Kopf, keinen inneren Druck, unbedingt etwas mitzubringen. Es war vielmehr ein aufmerksames Beobachten, ein Gefühl von „Da könnte heute etwas passieren“. Die Luft war kühl, ruhig, fast unscheinbar. Und dann war es plötzlich da.

Deutlich sichtbar, intensiv und für einen Moment vollkommen surreal. Einen solchen Himmel hatte ich hier noch nie gesehen. Mein Stresslevel war in diesem Augenblick erstaunlich niedrig. Vielleicht, weil mir sofort klar war, dass ich das nicht kontrollieren kann. Ich kann nur reagieren.

Die Kamera war schnell aufgebaut und die Einstellungen saßen, aber innerlich war da vor allem Staunen. Dieses kurze Innehalten, wenn man weiß, dass man gerade etwas erlebt, das sich so nicht wiederholen lässt. Es gab keinen Gedanken an Social Media, keine Frage nach Reichweite. Nur dieses Gefühl, genau am richtigen Ort zur richtigen Zeit.

Dieses rote Polarlicht war für mich mehr als ein seltenes Naturereignis. Es war eine Erinnerung daran, dass die eindrucksvollsten Bilder oft dann entstehen, wenn man offen bleibt und nicht versucht, alles erzwingen zu müssen. Und genau dieses Gefühl zieht sich wie ein roter Faden durch dieses Jahr.

Drei weitere Momente, die mir in Erinnerung geblieben sind

Nicht jedes Bild braucht eine eigene Bühne. Manche Fotos stehen für ein Gefühl, eine Situation oder einen Lernmoment, der sich erst im Rückblick richtig einordnet. Drei dieser Bilder haben mich in diesem Jahr besonders begleitet.

Sonnenaufgang auf Madeira

Vor allem an der Küste Madeiras war es eine Überraschung. Der Sonnenaufgang war so nicht vorhergesagt. Es gab keine klare Ansage im Wetterbericht und auch kein „Das wird gut“-Gefühl am Abend zuvor. Und genau dann ist es passiert. Wind, Gischt, ein extrem hoher Dynamikumfang und diese kurzen Momente, in denen das Licht plötzlich da ist. Die Gischt wurde vom Wind nach oben gerissen, fein zerstäubt und von der tief stehenden Sonne angeleuchtet. Die Herausforderung war weniger das Motiv als das Dranbleiben. Die Linse trocken halten, ruhig bleiben, nicht hektisch werden. Am Ende war es genau diese Mischung aus Chaos und Konzentration, die das Bild ausgemacht hat.

Dramatische Stimmung in Norwegen

An der norwegischen Küste war es das Gegenteil. Es gab keinen Überraschungsmoment, sondern eine schleichende Erkenntnis. Ich hatte das Meer unterschätzt. Nicht dramatisch, aber spürbar. Die Wellen waren kräftiger als gedacht und mein Standpunkt war näher am Wasser als im ersten Moment sinnvoll gewesen wäre. Nasse Schuhe inklusive. Was mich an diesem Bild bis heute fasziniert, ist nicht das Motiv, sondern das Licht. Es ist blau-grau, schwer, ruhig und gleichzeitig bedrohlich. Eine Stimmung, die man nicht „macht“, sondern aushält. Heute würde ich meinem früheren Ich sagen: Geh einen Schritt weiter zurück, aber verliere nicht den Respekt vor dem Moment. Genau diese Spannung sieht man dem Bild an.

Baum im Alpenvorland

Ein weiteres Bild entstand im Rahmen eines Workshops im Alpenvorland. Es war kein spektakulärer Ort, keine extreme Situation. Aber es war ein Moment, in dem alles zusammenpasste. Licht, Ruhe, Konzentration. Während die Teilnehmer fotografierten, wurde mir wieder bewusst, warum ich diese Arbeit so schätze. Nicht, weil jedes Bild perfekt ist, sondern weil die Fotografie Räume öffnet. Sie öffnet Räume für Wahrnehmung, für Gespräche und für gemeinsames Erleben. Dieses Foto steht genau dafür: weniger Drama, mehr Tiefe.

Wie es mit meinen Reisen & Workshops weitergeht

Seit 2017 begleite ich Menschen fotografisch draußen, erst in Workshops, später auch auf Fotoreisen. In diesem Jahr ist mir sehr deutlich geworden, wie viel mir diese Arbeit nach wie vor bedeutet und wo meine Grenzen liegen. Mir machen alle Formate Spaß. Tageskurse, mehrtägige Workshops, Reisen. Aber sie kosten Zeit. Nicht nur draußen, sondern auch davor und danach. Planung, Anreise, Nachbereitung, Kommunikation. Irgendwann merkt man, dass für andere Dinge im Leben kaum noch Raum bleibt.

Deshalb habe ich eine bewusste Entscheidung getroffen.

Im kommenden Jahr wird es deutlich weniger Tageskurse geben. Der Pfälzerwald, der Schwarzwald und Frankfurt bleiben erhalten, es wird jedoch weniger Termine geben. Das liegt nicht am fehlenden Interesse, sondern daran, dass ich gemerkt habe, dass weniger Termine für mich und die Teilnehmer besser funktionieren.

Gleichzeitig habe ich in diesem Jahr den Drei-Tages-Workshop im Schwarzwald eingeführt. Und genau dort habe ich gespürt, wie sehr mir dieses Format liegt. Mehr Zeit, weniger Hektik, echte Tiefe. Ich kann individueller auf die Teilnehmer eingehen, fotografische Probleme wirklich verstehen und gemeinsam lösen, statt sie nur anzureißen. Für mich fühlt sich das ehrlicher an. Und für die Teilnehmer nachhaltiger.

Ähnlich ist es bei meinen Fotoreisen. Viele davon finden bewusst mit maximal drei Teilnehmern statt. Nicht aus Exklusivität, sondern aus Überzeugung. Kleine Gruppen bedeuten Ruhe am Spot, mehr Austausch und weniger Druck. Ich kann die Teilnehmer begleiten, ihnen etwas erklären und ihnen zuhören. Und die Teilnehmer haben den Raum, ihre eigene Bildsprache zu entwickeln, statt nur „abzuliefern”.

Unterm Strich bedeutet das: weniger Termine, weniger Parallelität, aber mehr Tiefe, mehr Qualität und mehr echte Zeit draußen. Für mich. Und für die Menschen, die mit mir unterwegs sind.

Social Media & YouTube: Warum ich bewusst kürzertrete

In diesem Jahr ist mir etwas sehr deutlich geworden: Social Media kostet unglaublich viel Zeit. Nicht nur das Posten selbst, sondern auch das Denken in Formaten, Timings, Reichweiten und Erwartungen kostet Zeit. Je mehr Zeit ich dort investiere, desto weniger bleibt für das, was mir eigentlich wichtig ist: draußen sein, fotografieren, erleben und reflektieren.

Ich habe gemerkt, dass mir dieser permanente Druck, regelmäßig etwas veröffentlichen zu „müssen“, die Freude nimmt. Nicht am Fotografieren, sondern am Teilen. Fotos verlieren an Wert, wenn sie im Zwei-Tage-Rhythmus durch den Feed rauschen. Ein Bild, in das viel Zeit, Planung und Gefühl geflossen sind, verdient mehr als ein kurzes Aufblitzen zwischen Katzenvideos und Werbung.

Deshalb wird es künftig deutlich weniger Inhalte auf Instagram geben. Ich werde nur noch posten, wenn ich wirklich etwas zeigen oder erzählen möchte und nicht, weil es ein Algorithmus verlangt. Weniger Bilder, dafür bewusster ausgewählt. Weniger Präsenz, dafür mehr Ruhe. Für mich fühlt sich das richtig an.

Ähnlich sehe ich es bei YouTube. Grundlagenvideos zu ISO, Blende und Verschlusszeit gibt es wie Sand am Meer. Ich spüre, dass sich das Interesse verändert hat. Viele wollen sofort loslegen, ohne sich mit den Zusammenhängen auseinanderzusetzen. Die Bereitschaft, sich wirklich mit Fotografie zu beschäftigen, ist kleiner geworden. Für mich persönlich ist das ein Punkt, an dem ich ehrlich sein muss: Ich möchte meine Zeit nicht mehr in Inhalte stecken, die kaum noch Tiefe zulassen.

Deshalb wird es auf YouTube nur noch ein bis zwei längere Dokumentationen pro Jahr geben. Diese werden begleitend zu Reisen, Projekten oder besonderen Momenten entstehen. Keine Erklärvideos, keine Tutorials. Einfach echtes Erleben, echtes Draußensein, echte Fotografie.

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Fazit: Weniger planen, mehr erleben

Wenn ich auf dieses Jahr zurückblicke, dann bleiben mir weniger einzelne Bilder in Erinnerung, sondern vielmehr die Momente dahinter. Dazu gehört das rote Polarlicht im Pfälzerwald, das niemand vorhersehen konnte. Der überraschende Sonnenaufgang auf Madeira, der uns alle kalt erwischt hat. Die nassen Schuhe in Norwegen und das Gefühl, das Meer unterschätzt zu haben. Es sind genau diese Situationen, die mir immer wieder zeigen, warum ich fotografiere.

Nicht, um ständig etwas zu produzieren. Nicht, um im Takt von Plattformen zu funktionieren. Sondern um draußen zu sein, Licht zu erleben und Geschichten festzuhalten, die sich nicht planen lassen.

Gleichzeitig hat mir dieses Jahr sehr deutlich gezeigt, wie wichtig bewusste Entscheidungen sind. Weniger Termine, dafür mehr Tiefe. Weniger Inhalte, dafür mehr Substanz. Nicht um der Reichweite willen, sondern um echte Verbindungen zu Menschen aufzubauen, die sich wirklich für Fotografie interessieren. Für Licht, für Stimmung, für den Prozess und nicht nur für das fertige Bild.

Meine Workshops, Reisen, der Blog und künftig auch Patreon dienen genau diesem Zweck. Um Wissen ohne Druck weiterzugeben. Um Fotografie nicht zu beschleunigen, sondern zu entschleunigen. Und um Räume zu schaffen, in denen das Lernen wieder Spaß macht.

Vielleicht ist das am Ende die wichtigste Erkenntnis dieses Jahres: Gute Fotografie entsteht nicht durch mehr Inhalte, sondern durch mehr Aufmerksamkeit. Nicht durch ständige Präsenz, sondern durch echtes Erleben. Und genau daran möchte ich im kommenden Jahr weiterarbeiten.

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