ND-Filter und Polfilter gehören für viele Fotografen zu den spannendsten, aber auch verwirrendsten Werkzeugen in der Landschaftsfotografie. Welche Stärke wird wirklich benötigt? Welche Marken liefern verlässliche Qualität? Lohnt sich ein Komplettset oder reicht ein einzelner Filter? Genau diese Fragen werden mir immer wieder gestellt, besonders von Fotograf:innen, die nicht stundenlang Testberichte lesen oder fünf verschiedene Systeme ausprobieren möchten.
In diesem Beitrag gebe ich dir eine klare Orientierung: Welche ND-Filter und Polfilter in der Fotografie wirklich sinnvoll sind, worauf du beim Kauf achten solltest und welche Systeme mir in der Praxis die zuverlässigsten Ergebnisse geliefert haben. Du erhältst ehrliche Empfehlungen aus meiner täglichen Arbeit als Landschaftsfotograf, ohne komplizierte Formeln und ohne technische Überfrachtung.
Dieser Artikel ist keine Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Erstellung von Langzeitbelichtungen. Vielmehr geht es darum, dir eine verlässliche Entscheidungshilfe zu geben, damit du direkt weißt, welche Filter für dich geeignet sind – egal, ob du gerade erst beginnst oder dein Equipment sinnvoll erweitern möchtest.
Warum ND-Filter in der Fotografie so wichtig sind
Auch wenn Kameras immer leistungsfähiger werden, spielen ND-Filter in der Fotografie eine zentrale Rolle, wenn du Belichtungszeiten kreativ nutzen möchtest. Sie reduzieren das einfallende Licht und ermöglichen so Bildlooks, die ohne Filter nicht möglich wären. Ob fließendes Wasser, ziehende Wolken oder ein überfüllter Platz, der durch eine längere Belichtung fast menschenleer wirkt – all das entsteht nicht in der Nachbearbeitung, sondern direkt bei der Aufnahme.
Viele Fotografen denken anfangs, sie könnten solche Effekte später per Software simulieren. Doch genau das funktioniert nur sehr eingeschränkt. Eine echte Langzeitbelichtung erzeugt Strukturen, Verläufe und feine Bewegungen, die sich nicht künstlich nachbilden lassen. Deshalb gehören ND-Filter seit Jahren zu meiner Grundausstattung, insbesondere in der Landschafts- und Architekturfotografie.

Das gilt auch, wenn man nicht ständig mit Filtern arbeitet. Ein einzelner guter ND-Filter kann fotografisch Türen öffnen – egal, ob man Anfänger:in oder fortgeschrittene:r Fotograf:in ist. Genau deshalb schauen wir uns im nächsten Abschnitt an, welche Stärken von ND-Filtern wirklich zählen und welche Modelle ich persönlich empfehlen kann.
💡 Der große Filter-Guide: In meinem großen Filter-Guide erkläre ich, welche Filter noch zeitgemäß sind und mit welchen ich fotografiere. -> Filter für die Landschaftsfotografie
ND-Filter Fotografie – welche Stärken du wirklich brauchst
Bevor man Geld in ein komplettes Set investiert, lohnt es sich, einen Blick auf die tatsächlich relevanten Filterstärken in der ND-Filter-Fotografie zu werfen. Zwar bieten viele Hersteller unzählige Varianten an, doch am Ende zählen nur wenige wirklich. Entscheidend ist, welche Art von Motiv du am häufigsten fotografierst und wie stark du die Belichtungszeit verlängern möchtest.
Für die meisten Anwendungen reichen drei feste Stärken vollkommen aus.
ND64 (6 Blendenstufen)
Der ND64 ist der „Allrounder“ unter den Graufiltern. Er eignet sich ideal für fließende Gewässer, Wasserfälle oder Wellenbewegungen, wenn du natürliche, weiche Strukturen erzeugen möchtest. In hellem Tageslicht ermöglicht er Belichtungszeiten von 1 bis 2 Sekunden, was perfekt für kontrollierte, weiche Bewegungen ohne komplett verwischte Details ist.
ND1000 (10 Blendenstufen)
Für lange Belichtungen, ziehende Wolken oder minimalistische Aufnahmen ist der ND1000 unverzichtbar. Er verlängert die Belichtungszeit drastisch und liefert die typisch ruhigen, glatten Bildlooks, die man aus der Fine-Art-Fotografie kennt. Wer nur eine Filterstärke kaufen möchte, sollte zu diesem greifen, denn er ist der vielseitigste.
ND8 (3 Blendenstufen)
Er ist weniger verbreitet, aber sinnvoll, wenn es nicht um „klassische“ Langzeitbelichtungen geht. Ich setze ihn ein, wenn ich zu frühen oder späten Tageszeiten fotografiere oder nur eine leichte Bewegungsunschärfe erzeugen möchte. In der Praxis nutze ich ND8 deutlich seltener als ND64 oder ND1000. Aber im Set rundet er die Auswahl perfekt ab.
Wenn du dich fragst, ob variable ND-Filter eine Alternative sind: Für Video ja, für Fotografie eher nicht. Sie verursachen häufig Kreuzmuster oder Farbverschiebungen, besonders bei starker Abdunklung. Feste Filter liefern zuverlässig bessere Ergebnisse.
Kaufempfehlung für ND-Filter & Polfilter
Wenn du dich ernsthaft mit Landschaftsfotografie beschäftigst, wirst du schnell merken, dass sich viele Motive mit den richtigen Filtern deutlich einfacher und flexibler fotografieren lassen. Zwar kannst du einzelne ND- oder Polfilter kaufen, aber ein komplettes Filter-Kit ist meistens die deutlich bessere Wahl. Das ist nicht nur preislich vorteilhaft, sondern gibt dir auch mehr Freiheit beim Fotografieren: Du kannst verschiedene Stärken kombinieren, schneller arbeiten und bist für jede Lichtsituation vorbereitet.
Ich selbst arbeite inzwischen mit dem KASE Armour System*, da es magnetisch, extrem stabil und farbneutral ist. Das erleichtert die Arbeit draußen ungemein und macht sie zuverlässiger. Für viele Fotograf:innen sind klassische Rundfilter aber völlig ausreichend, vor allem, wenn sie gerade erst einsteigen oder nicht direkt ein komplettes Steckfiltersystem kaufen möchten.

Damit du einen guten Überblick bekommst, habe ich die Empfehlungen nach Budget gestaffelt.
Low-Budget – solide Qualität für den Einstieg
- Rollei F:X Pro Magnetische Rundfilter Mark II 82 mm (inkl. Polfilter, ND8, ND64, ND1000)
- Rollei F:X Pro Rundfilter (82 mm, CPL-Filter) Schraubfilter aus Gorilla®* Glas
- KW Revolution Professional Magnetisches ND Rundfilter Set (inkl. Polfilter, ND8, ND64, ND1000)
- NiSi 100mm V7 Filterhalter Kit – Starter Kit (inkl. Polfilter, ND8, ND64 und ND1000)
High-Budget – maximale Qualität und volle Flexibilität
- Kase ARMOUR Master Set (inkl. Polfilter, ND64, ND1000, Verlaufsfilter)
- Rollei F:X Pro Master Kit Rechteckfilter Mark III (inkl. Polfilter, ND8, ND64 und ND1000)
- NiSi JetMag Pro Magnetfilter Kit (inkl. Polfilter, ND8, ND64 und ND1000)
ND-Filter oder Polfilter – welcher hat welchen Zweck?
Bevor es mit den einzelnen Empfehlungen losgeht, lohnt sich ein kurzer Blick auf den Unterschied zwischen ND- und Polfiltern. Beide erfüllen völlig verschiedene Aufgaben und ergänzen sich deshalb so gut. Ein ND-Filter reduziert das einfallende Licht und ermöglicht dadurch lange Belichtungszeiten. Ohne ihn wären weiche Wasserstrukturen, ziehende Wolken oder minimalistische Langzeitbelichtungen am Tag kaum realisierbar.
Ein Polfilter wirkt dagegen physikalisch: Er reduziert Reflexionen auf Wasser, Blättern, nassen Steinen oder Glas und verstärkt gleichzeitig Farben und Kontraste. Das Besondere: Dieses Entfernen von Reflexionen lässt sich in Lightroom oder Photoshop nicht nachträglich simulieren. Wenn ich in Workshops zeige, wie stark sich ein Bild mit Polfilter verändert, wird vielen sofort klar: ND-Filter sind kreativ, Polfilter sind essenziell.
Rundfilter vs. Steckfilter – Vor- & Nachteile
Viele fragen mich, ob sie zum Einstieg lieber einen Rundfilter oder ein Steckfiltersystem kaufen sollten. Rundfilter sind kompakt, schnell aufgeschraubt und preislich deutlich attraktiver. Sie sind ideal für den Anfang und für alle, die flexibel unterwegs sein möchten. Steckfilter bieten dagegen etwas mehr Kontrolle, beispielsweise wenn ein Verlaufsfilter benötigt wird oder mehrere Filter gleichzeitig verwendet werden sollen. Sie sind jedoch teurer und erfordern ein Filtersystem samt Halterung.
Ich selbst arbeite seit Jahren mit magnetischen Filtern, da sie die Vorteile beider Systeme vereinen: Sie sind schnell, sauber, haltbar und optimal für die Landschaftsfotografie geeignet. Für die meisten Fotograf:innen reicht ein gutes Rundfilter- oder Magnet-Set völlig aus. Ein großes Steckfiltersystem wird erst dann interessant, wenn du sehr intensiv mit Filtern arbeitest oder spezielle Effekte erzielen möchtest.

Adapterringe
Ein Tipp, den viele unterschätzen: Kaufe Rundfilter immer im größten benötigten Durchmesser – idealerweise 82 mm – und nutze Step-Up-Adapter für kleinere Objektive. So sparst du viel Geld, da du nicht für jedes Objektiv eigene Filter kaufen musst.
Wichtig ist nur, dass du nicht zu viele Ringe kombinierst. Verwende maximal zwei Adapter, da du sonst Vignettierungen riskierst. Wenn du beispielsweise ein 67-mm-Objektiv hast, verwende einen einzelnen Adapter von 67 auf 82 mm. Damit bist du auf der sicheren Seite und kannst jedes Filter optimal nutzen.
Warum variable ND-Filter NICHT zu empfehlen sind
Variable ND-Filter klingen im ersten Moment praktisch: ein Filter für alle Stärken. In der Praxis sorgen sie jedoch häufig für Probleme. Je weiter man den Filter dreht, desto stärker treten Farbverschiebungen und ungleichmäßige Abdunklungen auf. Besonders bekannt ist das sogenannte X-Pattern, das Aufnahmen komplett unbrauchbar machen kann.
Für Video sind variable ND-Filter manchmal sinnvoll, aber in der Fotografie arbeite ich ausschließlich mit festen ND-Werten. Sie sind farbneutraler, zuverlässiger und liefern konstant hochwertige Ergebnisse. Für Langzeitbelichtungen am Tag sind feste ND64- und ND1000-Filter nach wie vor die beste Wahl.

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Mein persönliches Set – warum ich mich dafür entschieden habe
Ich habe im Laufe der Jahre viele Filter getestet und bin schließlich beim Kase Armour System gelandet – und das aus gutem Grund. Die magnetische Halterung ist äußerst zuverlässig, die Filter sind robust, farbneutral und lassen sich schnell wechseln. Das ist für mich besonders wichtig, wenn das Licht plötzlich passt und jede Sekunde zählt.
Im Armour-Set nutze ich Polfilter, ND64 und ND1000. Damit decke ich 95 % aller Situationen ab – egal, ob bei Workshops, Fotoreisen oder eigenen Projekten. Ein komplettes Kit ist für mich immer die sinnvollste Wahl, weil man fotografisch deutlich flexibler ist und nicht ständig an technische Grenzen stößt.

Fazit
Für die Landschaftsfotografie ist ein gutes Set aus Polfilter und festen ND-Filtern optimal. Ein Polfilter sorgt für Klarheit, intensiviert Farben und kontrolliert Reflexionen, während ND-Filter erst kreative Langzeitbelichtungen ermöglichen. Rundfilter oder magnetische Systeme sind ideal für den Einstieg und ein Kit bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Am Ende kommt es nicht auf die Menge der Filter an, sondern darauf, wie bewusst du sie einsetzt. Mit einem guten Set eröffnen sich dir fotografisch völlig neue Möglichkeiten.
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