Schottland stand seit vielen Jahren ganz oben auf meiner persönlichen Bucketlist. Die wilden Highlands, einsame Straßen, dramatische Wolkenstimmungen und die berühmte Isle of Skye faszinieren mich schon lange. Ich hatte immer wieder Fotos dieser Landschaften gesehen und mir vorgenommen, eines Tages selbst mit der Kamera dort unterwegs zu sein.
Im September 2022 war es schließlich soweit. Gemeinsam mit meinem Fotofreund Michael machte ich mich für elf Tage auf den Weg nach Schottland. Unser Plan war einfach: Wir wollten mit einem Camper möglichst flexibel durch die Highlands und über die Isle of Skye reisen, Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge fotografieren und uns von Wetter und Licht leiten lassen.
Zumindest war das die Theorie.
In der Praxis erwarteten uns jedoch geschlossene Supermärkte wegen der Beerdigung von Queen Elizabeth, stürmische Nächte im Camper, tagelanger Regen, verpasste Lichtstimmungen sowie einige fotografische Enttäuschungen. Gleichzeitig sind dadurch Erinnerungen und Bilder entstanden, die mir bis heute im Gedächtnis geblieben sind.
Dieser Reisebericht ist weder eine Anleitung zum Fotografieren in Schottland noch ein klassischer Reiseführer. Stattdessen nehme ich dich mit auf unsere elf Tage durch die Highlands und die Isle of Skye – mit allen Höhen und Tiefen sowie den Erfahrungen, die man nur sammelt, wenn man selbst vor Ort unterwegs ist.
Unsere Fotoreise nach Schottland – Mit dem Camper durch die Highlands
Die Idee für diese Reise entstand bereits viele Monate zuvor. Schon bei der Planung stand für mich fest, dass ich Schottland nicht von Hotel zu Hotel bereisen wollte. Deshalb entschieden wir uns für einen Camper, um möglichst flexibel auf Wetter, Licht und spontane Motivideen reagieren zu können.
Gerade als Landschaftsfotograf ist diese Freiheit sehr wertvoll. Wenn die Wettermodelle plötzlich für eine andere Region bessere Bedingungen anzeigen, kann man die Route kurzfristig anpassen. Genau diese Flexibilität war einer der Hauptgründe, weshalb wir uns für einen Camper von Roadsurfer entschieden haben.
Unsere Route führte uns zunächst durch die westlichen Highlands und später auf die Isle of Skye. Dort standen einige bekannte Motive wie die Fairy Pools, der Quiraing, die Fairy Glen oder der Neist Point auf unserer Liste. Gleichzeitig wollten wir uns Zeit lassen und auch weniger bekannte Orte besuchen, die wir im Vorfeld digital recherchiert hatten.

Wie viel Planung tatsächlich notwendig ist, wurde mir bereits Monate vor der Reise bewusst. Ich verbrachte viele Stunden mit Google Maps, Satellitenbildern und Wetterdaten, um interessante Motive zu finden. Rückblickend war diese Vorbereitung zwar hilfreich, doch Schottland zeigte mir schnell, dass sich nicht alles am Computer planen lässt. Wasserstände, Wolken, Nebel oder Wegverhältnisse können innerhalb weniger Stunden darüber entscheiden, ob ein Motiv funktioniert oder nicht.
Mit entsprechend hohen Erwartungen landeten wir schließlich am 19. September 2022 in Edinburgh. Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir noch nicht, dass uns die wohl wechselhaftesten elf Tage erwarten würden, die ich je auf einer Fotoreise erlebt habe.
Der Start verlief anders als geplant
Bereits wenige Stunden nach unserer Ankunft merkten wir, dass diese Reise anders verlaufen würde als geplant. Nach der Landung in Edinburgh holten wir unser Gepäck ab und fuhren direkt zur Roadsurfer-Station, um unseren Camper abzuholen. Die ersten Kilometer im Linksverkehr fühlten sich zunächst ungewohnt an, doch man gewöhnte sich überraschend schnell daran.
Deutlich größer war allerdings ein anderes Problem. Eigentlich wollten wir uns direkt nach der Ankunft mit Lebensmitteln für die ersten Tage eindecken. Aufgrund der Beerdigung von Queen Elizabeth II. waren jedoch nahezu alle Geschäfte und Supermärkte geschlossen. Statt entspannt einzukaufen, standen wir plötzlich ohne Verpflegung da.
Zum Glück fanden wir direkt neben einem geschlossenen Supermarkt einen geöffneten Dominos. Wir bestellten zwei Pizzen und machten das Beste aus der Situation. Das war nicht unbedingt der kulinarische Start, den wir uns für unsere Schottlandreise vorgestellt hatten, aber immerhin mussten wir nicht hungrig in die erste Nacht starten.
Anschließend begann endlich das, worauf wir monatelang hingefiebert hatten. Unser erstes Ziel war ein versteckter Wasserfall in einer kleinen Schlucht. Bereits der Zugang erwies sich als deutlich anspruchsvoller als erwartet. Nachdem wir den Einstieg gefunden hatten, mussten wir mehrere Meter durch kaltes Wasser laufen, um zur gewünschten Perspektive zu gelangen. Dabei waren meine Gummistiefel nur wenige Zentimeter höher als der Wasserstand. Ein unüberlegter Schritt genügte, und einer der Stiefel war komplett mit eiskaltem Wasser gefüllt.

Spätestens in diesem Moment wurde mir klar, dass Schottland zwar fotografisch traumhaft sein kann, einem die Motive aber nicht geschenkt werden. Oft muss man sich die Bilder erst erarbeiten. Genau diese Mischung aus Abenteuer, Improvisation und ständig wechselnden Bedingungen sollte uns während der gesamten Reise begleiten.
Regen, Wasserfälle und die ersten Herausforderungen
Der erste Fotospot war fotografisch gelungen, doch schnell zeigte sich in den kommenden Tagen, dass Schottland nicht immer den Vorstellungen entspricht, die man mit spektakulären Landschaftsfotos verbindet. So verzichteten wir bereits am ersten Morgen auf den Sonnenaufgang, da weder interessantes Licht noch Wolkenlücken in Sicht waren. Stattdessen machten wir uns auf den Weg zu mehreren Wasserfällen in der Region der „Three Sisters“.
Viele dieser Motive hatte ich bereits Monate zuvor digital geplant und auf Satellitenbildern erkundet. Vor Ort zeigte sich jedoch schnell, dass sich manche Dinge nicht am Computer vorhersagen lassen. Einige Wasserfälle führten deutlich weniger Wasser als erwartet und wirkten dadurch längst nicht so beeindruckend wie auf den Fotos, die ich zuvor gesehen hatte. Hinzu kamen schwierige Wegverhältnisse und immer wieder Regenschauer, die unsere Planung durcheinanderbrachten.
Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Wasserfall, den wir nach einer längeren Suche schließlich fanden. Nach über einer halben Stunde quer durch die Landschaft standen wir schließlich am Motiv. Doch statt einer spektakulären Szenerie erwartete uns ein Bachlauf mit zu wenig Wasser. Ich lief noch eine Weile entlang des Flusses, auf der Suche nach einer interessanten Komposition. Am Ende musste ich mir jedoch eingestehen, dass das Motiv an diesem Tag einfach nicht funktionierte.



Kurz darauf setzte erneut Regen ein. Während wir durchnässt zum Camper zurückliefen, wurde mir bewusst, dass solche Tage den Charakter dieser Reise prägen würden. Nicht spektakuläre Sonnenuntergänge oder garantierte Lichtstimmungen, sondern wechselhaftes Wetter, spontane Entscheidungen und die ständige Suche nach dem richtigen Moment würden sie ausmachen.
Der versteckte Wasserfall & Isle of Skye
Der dritte Tag begann deutlich entspannter als die beiden vorherigen. Da der Sonnenaufgang fotografisch wenig herzugeben schien, stellten wir den Wecker nicht auf eine unmenschliche Uhrzeit. Stattdessen gönnten wir uns etwas mehr Schlaf und starteten ganz gemütlich mit einem frischen Kaffee und einer Schüssel Porridge in den Morgen. Nach den ersten Tagen im Camper war das genau die richtige Entscheidung.
Während des Frühstücks planten wir die Route für den Tag und machten uns anschließend auf den Weg zu einem weiteren Wasserfall. Auf dem Papier wirkte das Motiv unkompliziert. „Den fotografieren wir in zwanzig Minuten und fahren weiter“, dachte ich noch während der Anfahrt. Wie so oft sollte ich mich täuschen.
Der Weg führte entlang eines Bachlaufs durch eine enge Schlucht. An einigen Stellen verliefen schmale Holzbretter entlang der Felswand, die lediglich durch ein Stahlseil gesichert waren. Aufgrund der permanenten Feuchtigkeit waren die Felsen extrem rutschig und jeder Schritt musste sorgfältig gesetzt werden. Nach über fünfzehn Minuten erreichte ich schließlich den Bereich, den ich ursprünglich fotografieren wollte. Doch dort angekommen, fand ich einfach keine überzeugende Bildkomposition.
Etwas frustriert machte ich mich wieder auf den Rückweg. Und genau dort passierte etwas, das mir in der Landschaftsfotografie immer wieder passiert. Plötzlich sprang mir eine Bildidee förmlich ins Auge. Innerhalb weniger Sekunden hatte ich die Komposition gefunden. Ich montierte meinen Polfilter auf das Weitwinkelobjektiv, reduzierte die Reflexionen auf den nassen Felsen und brachte so die satten Grüntöne der Vegetation deutlich besser zur Geltung. Manchmal liegt das Motiv eben nicht dort, wo man es ursprünglich erwartet.
Anschließend besuchten wir einen weiteren Wasserfall in der Region der Three Sisters, an dem wir in den Tagen zuvor bereits mehrfach vorbeigefahren waren. Dramatische Wolken zogen durch das Tal und sorgten für die Stimmung, die ich mir von Schottland erhofft hatte. Gegen Mittag entschieden wir uns schließlich, weiter Richtung Isle of Skye zu fahren.
Zumindest glaubte ich das.


Bevor wir die Brücke nach Skye überquerten, legten wir noch einen Stopp beim Eilean Donan Castle ein. Die mittelalterliche Burg zählt zu den bekanntesten Fotomotiven Schottlands und bot zur Blauen Stunde einen beeindruckenden Anblick. Für mich war dies einer der ersten Momente der Reise, in denen sich die lange Anfahrt und die vielen Regentage gelohnt hatten.
Nach den Aufnahmen fuhren wir zum Parkplatz bei Sligachan weiter, wo wir die Nacht verbringen wollten. Die Fahrt dorthin entwickelte sich jedoch zu einer echten Herausforderung. Starker Regen und Windböen von teilweise über 70 km/h machten die Straßenverhältnisse alles andere als angenehm. Als wir schließlich den Parkplatz erreichten, war ich erleichtert und freute mich auf eine ruhige Nacht.
Im Laufe der Nacht nahm der Sturm weiter zu und ließ den Camper ununterbrochen wackeln. Regen prasselte gegen das Fahrzeug und an erholsamen Schlaf war kaum zu denken. Willkommen auf der Isle of Skye!
Willkommen auf der Skye
Die Nacht auf dem Parkplatz bei Sligachan war alles andere als erholsam. Wind und Regen begleiteten uns nahezu durchgehend, sodass an ruhigen Schlaf kaum zu denken war. Dennoch klingelte am nächsten Morgen pünktlich der Wecker. Schließlich befanden wir uns inzwischen auf der Isle of Skye, dem Ort, auf den ich mich während der gesamten Reise am meisten gefreut hatte.
Noch vor Sonnenaufgang brachen wir zu einem der bekanntesten Motive der Insel auf. Grundsätzlich fotografiere ich nur ungern exakt dieselben Perspektiven, die bereits tausendfach in den sozialen Medien oder Bildbänden zu sehen sind. Deshalb lief ich zunächst entlang eines Bachlaufs und suchte nach einer anderen Komposition. Nach einigen Minuten wurde ich tatsächlich fündig und konnte die Stimmung der Blauen Stunde aus einer deutlich weniger bekannten Perspektive festhalten.
Zurück am Camper kochten wir zunächst Wasser für einen Kaffee auf und planten den weiteren Tagesablauf. Das Wetter war typisch schottisch: bewölkt, wechselhaft und jederzeit für eine Überraschung gut. Für mich sind das ideale Bedingungen. Während viele Urlauber auf strahlenden Sonnenschein hoffen, bin ich als Landschaftsfotograf auf der Suche nach dramatischen Wolken, Nebel und wechselnden Lichtstimmungen.
Unser nächstes Ziel waren die Fairy Pools. Schon der Weg dorthin führte durch eine beeindruckende Landschaft mit Blick auf die Cuillin Mountains. Vom Parkplatz aus liefen wir rund vierzig Minuten bis zu dem Wasserfall, den ich mir im Vorfeld herausgesucht hatte. Obwohl die Fairy Pools zu den bekanntesten Fotospots der Isle of Skye gehören, war die gewünschte Perspektive gar nicht so einfach zu finden.


Am Motiv angekommen montierte ich einen Polfilter sowie einen Graufilter. Der Polfilter reduzierte die Reflexionen auf dem Wasser und brachte die Farben besser zur Geltung, während der Graufilter längere Belichtungszeiten ermöglichte. Dadurch entstand die für Wasserfälle typische weiche Struktur im Wasser. Kurz bevor wir den Rückweg antreten wollten, zog erneut ein Regenschauer über die Landschaft. Mittlerweile gehörte Regen fast schon zum festen Bestandteil unserer Reise.
Für den Abend standen zwei Motive zur Auswahl: die Fairy Glen oder der berühmte Neist Point. Nach einem Blick auf die Wettermodelle entschieden wir uns für den Neist Point und machten uns auf den Weg an die spektakuläre Steilküste im Westen der Insel.
Fairy Pools, Neist Point und die Suche nach gutem Licht
Für mich gehört die Fahrt zum Neist Point bis heute zu den schönsten Straßenabschnitten der gesamten Reise. Über schmale, einspurige Straßen ging es vorbei an Schafen, Kühen und den für die Isle of Skye typischen grünen Hügeln. Schon die Anfahrt war ein Erlebnis und ließ erahnen, warum die Insel bei Landschaftsfotografen so beliebt ist.
Am Parkplatz angekommen, wurden wir zunächst mit einer wunderschönen Golden Hour belohnt. Zum ersten Mal seit mehreren Tagen sah es danach aus, als könnte der Sonnenuntergang tatsächlich gelingen. Entsprechend optimistisch machte ich mich auf den Weg zum Aussichtspunkt. Unterwegs ließ ich sogar meine Drohne steigen, um einige Eindrücke der beeindruckenden Küstenlandschaft aus der Luft festzuhalten.
Oben angekommen, fand ich schnell eine Bildkomposition, die mir gefiel. Nun begann das Warten. Immer wieder wanderte mein Blick zum Horizont in der Hoffnung, dass die Sonne noch unter dem Wolkenband hindurchscheinen und die Halbinsel in warmes Licht tauchen würde.


Je näher der eigentliche Sonnenuntergang rückte, desto deutlicher wurde, dass die Wolken an diesem Abend die Oberhand behalten würden. Das Licht verschwand hinter einer dichten Wolkendecke und die erhoffte Lichtstimmung blieb aus. Übrig blieben einige schöne Aufnahmen aus der goldenen Stunde und der anschließenden Blauen Stunde, aber eben nicht das Bild, das ich mir ursprünglich vorgestellt hatte.
Als wäre das nicht genug gewesen, setzte wenige Minuten nach Sonnenuntergang erneut Regen ein. Innerhalb kürzester Zeit war mein Fleecepullover komplett durchnässt. Während wir zurück zum Auto liefen, fragte ich mich zum ersten Mal ernsthaft, ob wir während dieser Reise überhaupt noch einmal richtig gutes Licht erleben würden.
Die kommenden Wettervorhersagen machten die Situation nicht besser. Tag für Tag zeigten die Modelle Regen, dichte Wolken und starke Winde. Langsam machte sich Frust breit. Schließlich war ich für elf Tage nach Schottland gereist und bisher bestand die fotografische Ausbeute überwiegend aus Wasserfällen, Regenwolken und wenigen kurzen Lichtmomenten.
Am Abend fuhren wir weiter nach Portree, aßen noch etwas und suchten anschließend einen Stellplatz für die Nacht. Während ich im Camper lag und auf den Regen hörte, gingen mir viele Gedanken durch den Kopf. Vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch gewesen. Vielleicht gehört genau das aber auch zu einer Reise nach Schottland dazu.
Zu diesem Zeitpunkt wusste ich allerdings noch nicht, dass die größte fotografische Enttäuschung der Reise erst am nächsten Morgen auf mich warten sollte.
Der verpasste Sonnenaufgang am Old Man of Storr
Manchmal sind es nicht die Bilder, die man macht, sondern die, die man verpasst, die einem besonders lange im Gedächtnis bleiben. Genau so ein Moment erwartete mich am fünften Tag unserer Reise.
Der Wecker klingelte früh am Morgen, doch es regnete draußen. Dichte Wolken hingen über der Landschaft und die Bedingungen wirkten alles andere als vielversprechend. Eigentlich war der Plan gewesen, zum Old Man of Storr aufzusteigen und dort den Sonnenaufgang zu fotografieren. Nach einem kurzen Blick aus dem Camper entschied ich mich jedoch dagegen.
Anstatt mehrere Kilometer durch Regen und Wind zu laufen, blieb ich im Camper.
Als ich einige Stunden später aufwachte und aus dem Fenster blickte, konnte ich meinen Augen kaum trauen. Über den Bergen zeigte sich plötzlich eine wunderschöne Lichtstimmung. Die Wolken hatten sich teilweise geöffnet und die Landschaft wurde von warmem Morgenlicht angestrahlt.
Natürlich begann sofort das Kopfkino.

Was wäre gewesen, wenn wir doch aufgestanden wären? Hätten wir genau dort oben gestanden, als sich der Himmel öffnete? Hätte eines der besten Bilder der gesamten Reise entstehen können? In diesem Moment war ich sehr verärgert.
Rückblickend war diese Erfahrung jedoch eine der wertvollsten Lektionen der gesamten Reise. In Schottland kann sich das Wetter innerhalb weniger Minuten komplett verändern. Nur weil die Bedingungen beim Aufstehen schlecht aussehen, bedeutet das noch lange nicht, dass sie eine Stunde später ebenfalls schlecht sind.
Seit dieser Reise versuche ich deshalb, deutlich häufiger auch bei vermeintlich schlechten Voraussetzungen loszugehen. Natürlich funktioniert das nicht immer. Doch manchmal öffnet sich genau dann der Himmel, wenn man eigentlich schon aufgegeben hat.
Nach dem Frühstück beschlossen wir, das Beste aus dem Tag zu machen. Am Vormittag besuchten wir den Quiraing und schauten uns mögliche Bildkompositionen für den nächsten Morgen an. Diese Vorgehensweise hat sich auf vielen Reisen bewährt. Wer eine Location bereits bei Tageslicht erkundet, spart sich später im Dunkeln viel Zeit und kann sich vollständig auf das Licht konzentrieren.
Der Quiraing präsentierte sich zunächst von seiner schönsten Seite. Für kurze Zeit zogen interessante Wolken durch die Landschaft und sorgten für eine beeindruckende Stimmung. Doch wie so oft auf dieser Reise hielt dieser Moment nicht lange an. Nach wenigen Minuten setzte erneut starker Regen ein und wir flüchteten zurück zum Parkplatz.
Langsam wurde Regen zu unserem treuesten Begleiter in Schottland.
Zwischen Hoffnung und Frust – Wenn das Wetter nicht mitspielt
Nachdem ich den Sonnenaufgang am Old Man of Storr verpasst hatte, versuchte ich, den Ärger schnell abzuhaken. Ändern konnte ich die Situation ohnehin nicht mehr. Nach einem ausgiebigen Frühstück fuhren wir zunächst zum Quiraing, um uns mögliche Bildkompositionen für den nächsten Morgen anzuschauen.
In weiser Voraussicht hatte ich meinen Fotorucksack direkt mitgenommen. Tatsächlich zeigte sich die Landschaft zunächst von ihrer schönsten Seite, sodass ich einige interessante Lichtstimmungen einfangen konnte. Doch wie so oft auf dieser Reise hielt das gute Wetter nicht lange an. Keine zwanzig Minuten später zog der Himmel komplett zu und es begann in Strömen zu regnen. Also blieb uns nichts anderes übrig, als zum Parkplatz zurückzulaufen und uns im Camper aufzuwärmen.
Mittlerweile lag das Frühstück bereits einige Stunden zurück. Direkt am Parkplatz entdeckten wir einen Imbisswagen, der Hot Dogs und Cheeseburger verkaufte. Nach mehreren Tagen mit Campingküche musste ich nicht lange überlegen. Wenige Minuten später saß ich mit einem Doppelcheeseburger und einem Käsetoast in der Hand vor dem Camper. Das Essen war vermutlich kein Michelin-Stern wert, aber nach drei Tagen ohne richtig warme Mahlzeit fühlte es sich genau richtig an.
Am Nachmittag ging es weiter zur Fairy Glen. Die ungewöhnliche Hügellandschaft zählt zu den bekanntesten Motiven auf der Isle of Skye und zog entsprechend viele Besucher an. Während wir auf den Sonnenuntergang warteten, kamen wir mit einer Fotografin ins Gespräch. Nach wenigen Sätzen war klar, dass auch sie aus Deutschland stammte. Kaum hatten wir uns unterhalten, setzte natürlich wieder der Regen ein.
Mittlerweile gehörte Regen fast schon zum festen Bestandteil unserer Reise. Dank des Regenschirms konnte ich die Kamera aufgebaut lassen und hoffte weiterhin auf eine Wolkenlücke zum Sonnenuntergang. Lange Zeit sah es nicht danach aus, als würde sich das Warten lohnen.


Dann passierte endlich das, worauf wir seit Tagen gewartet hatten. Für wenige Minuten zeigte sich Farbe am Himmel. Es war kein spektakuläres Feuerwerk, aber es reichte aus, um die Landschaft in warmes Licht zu tauchen. Ich passte schnell die Belichtung an und machte meine Aufnahmen. Nach all den Regentagen fühlte sich dieser kurze Moment wie ein kleiner Sieg an.
Mit neuer Hoffnung fuhren wir anschließend zurück zum Camper und suchten einen Parkplatz in der Nähe des Quiraing für die Nacht. Die Wettermodelle sahen für den nächsten Morgen erstmals vielversprechend aus. Zum ersten Mal seit mehreren Tagen hatte ich das Gefühl, dass die Reise vielleicht doch noch die erhoffte Wendung nehmen könnte.
Schockmoment bei Sonnenaufgang
Am nächsten Morgen standen wir erneut vor Sonnenaufgang am Quiraing. Ich hatte die Bildkomposition bereits am Vortag vorbereitet und alles war bereit. Kurz nachdem wir unsere Kameras aufgebaut hatten, passierte jedoch etwas, das uns beiden einen ordentlichen Schrecken einjagte. Durch eine kleine Unachtsamkeit rutschte Michaels Fotorucksack ab und stürzte den steilen Hang hinunter.


Im ersten Moment malten wir uns die schlimmsten Szenarien aus. Schließlich befand sich die gesamte Ausrüstung im Rucksack. Glücklicherweise gelang es Michael, den Rucksack wieder zu bergen, und die Ausrüstung blieb unbeschädigt. Rückblickend ist das eine Geschichte, über die wir heute lachen können. In diesem Moment war uns allerdings nicht danach.
Fotografisch blieb der Sonnenaufgang eher unspektakulär. Zwar zeigte sich etwas Farbe am Himmel, doch von den erhofften Bedingungen waren wir erneut weit entfernt. Immerhin hatten wir nach mehreren Tagen endlich einen Sonnenaufgang erlebt, der fotografisch brauchbar war.
Halbzeit der Fototour nach Schottland
Da für die kommenden Tage erneut Regen angekündigt wurde, entschieden wir uns spontan für zwei Nächte in einem kleinen Bed & Breakfast bei Portree. Nach mehreren Tagen im Camper fühlten sich eine warme Dusche, eine Steckdose und ein richtiges Bett fast schon luxuriös an. Manchmal sind es genau diese kleinen Dinge, die auf einer Fotoreise den Unterschied machen.
Am Abend fuhren wir zum nächsten Fotospot auf der Isle of Skye, dem Elgol Beach. Hier erwarteten und eine erstklassige dramatische Stimmung. Nach der Blauen Stunde fuhren wir direkt zurück nach Portree, um gemütlich im B&B die Fotos zu sichern und eine letze Nacht im bequemen Bett zu verbringen.


Nach einem gemütlichen schottischen Frühstück machten wir uns wenig später wieder auf den Weg. Die große Frage lautete: Wieder Richtung Edinburgh oder doch noch einmal in die Highlands? Die Wettermodelle waren alles andere als eindeutig und wir diskutierten lange über die richtige Entscheidung.
Letztendlich führte uns die Reise wieder in die Highlands. Dort zeigte sich zunächst die nächste Enttäuschung. Ein Wasserfall, den wir fotografieren wollten, führte deutlich zu wenig Wasser und wir fuhren nach kurzer Zeit weiter. Doch genau an diesem Tag sollte sich das Blatt langsam wenden.
Südlich des Loch Maree fanden wir eine Landschaft, die mich sofort faszinierte. Zwischen den Bergen standen einzelne Bäume in einer weitläufigen Moorlandschaft und ich hatte sofort eine Bildidee im Kopf. Während wir uns langsam durch die sumpfigen Wiesen bewegten, wurde das Licht immer besser. Ehrlich gesagt hätte ich an diesem Abend lieber meine Gummistiefel getragen, denn der Untergrund war deutlich nasser als erwartet.

Kurz vor Sonnenuntergang geschah dann endlich das, worauf wir die gesamte Reise gewartet hatten. Ein tiefes Wolkenband schob sich über die Berge und sorgte für eine wunderschöne goldene Stunde. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass sich die Geduld der vergangenen Tage ausgezahlt hatte.


Natürlich wäre es keine Schottlandreise gewesen, wenn die Wettermodelle uns nicht direkt wieder vor die nächste schwierige Entscheidung gestellt hätten.
Kilchurn Castle, Loch Tulla und die Rückfahrt nach Edinburgh
Die Euphorie nach der Golden Hour am Loch Maree hielt allerdings nicht lange an. Bereits am Abend mussten wir uns wieder entscheiden. Die Wettermodelle sahen plötzlich deutlich besser aus für den Süden der Isle of Skye als für die Highlands. Michael wollte zurück auf die Insel, ich hingegen wollte unbedingt noch weiter in den Norden der Highlands fahren.
Am Ende entschieden wir uns für die Isle of Skye. Rückblickend war dies vermutlich eine dieser Entscheidungen, über die man sich als Fotograf viel zu viele Gedanken macht. Damals fühlte es sich jedoch an, als würde die gesamte Reise davon abhängen.
Entsprechend unruhig verlief die Nacht. Sturmböen von bis zu 80 km/h zwangen uns sogar, das Dach des Campers einzufahren und unten zu schlafen. Als am nächsten Morgen erneut Regen gegen die Scheiben prasselte, blieb der Wecker aus. Wieder kein Sonnenaufgang. Wieder kein Licht. Meine Stimmung erreichte an diesem Tag ihren Tiefpunkt.
Neun Tage waren inzwischen vergangen und ich hatte immer noch keine Lichtstimmung erlebt, die meinen Erwartungen entsprach. Während Michael am Nachmittag eine kleine Burgruine fotografierte, blieb ich im Camper sitzen. Ich hatte ehrlich gesagt kaum noch Motivation, die Kamera in die Hand zu nehmen.
Trotzdem beschlossen wir, langsam Richtung Edinburgh zurückzufahren und unterwegs noch einige Motive mitzunehmen. Bei Glencoe hatte ich einen Berg entdeckt, der mich bereits während der Reiseplanung fasziniert hatte. Also liefen wir kurz vor Sonnenuntergang durch matschiges Gelände den Hang hinauf und hofften auf gutes Licht.
Doch erneut zog kurz vor dem entscheidenden Moment ein Wolkenband vor die Sonne.


Ich musste fast lachen. Wenn man denkt, schlimmer geht es nicht, findet das schottische Wetter meistens doch noch einen Weg. Rückblickend ärgere ich mich darüber kaum noch. In diesem Moment allerdings war meine Motivation komplett verschwunden. Vielleicht war genau das der Grund, weshalb mich der folgende Morgen umso mehr überraschte.
Kilchurn Castle und die letzten Tage in Schottland
Nach einem kleinen Abendessen fuhren wir weiter zum Loch Awe, wo wir die Nacht verbringen wollten. Vielleicht war genau dieser Tiefpunkt notwendig, um den folgenden Morgen so besonders zu machen.
Bereits eine Stunde vor Sonnenaufgang suchte ich am Kilchurn Castle nach einer passenden Bildkomposition. Während die Landschaft langsam aus der Dunkelheit auftauchte, begann sich Nebel zwischen den Wäldern und Berghängen zu bilden. Mit jeder Minute wurde die Stimmung beeindruckender.
Zum ersten Mal während der gesamten Reise hatte ich das Gefühl, dass wirklich alles zusammenpasste.


Mithilfe meines Teleobjektivs konnte ich die Nebelschwaden, die Burg und die dahinterliegenden Berge zu einer harmonischen Bildkomposition verdichten. Fotografisch war dies ohne Zweifel einer der schönsten Sonnenaufgänge der gesamten Reise und endlich die Belohnung für viele Tage Geduld, Regen und Frust.
Nach dem Sonnenaufgang gingen wir zurück zum Auto. Während des Frühstücks planten wir die letzten beiden Tage unserer Reise und kauften anschließend die wichtigsten Lebensmittel ein. Außerdem beschlossen wir, die letzte Nacht vor dem Rückflug in einem Hotel in Edinburgh zu verbringen. Nach vielen Tagen im Camper freuten wir uns auf eine warme Dusche und etwas mehr Komfort.
Bevor es jedoch zurück nach Edinburgh gehen sollte, hatten wir noch ein weiteres Motiv auf unserer Liste. Dafür fuhren wir erneut rund eine Stunde Richtung Nordwesten nach Oban, wo eine kleine Burg auf dem Wasser auf uns wartete.
Die Fahrt nach Oban sollte sich schließlich auszahlen. Wir erreichten die kleine Burg am Wasser bereits lange vor Sonnenuntergang und hatten genügend Zeit, die Umgebung in Ruhe zu erkunden. Nach den hektischen Entscheidungen und Wetterkapriolen der vergangenen Tage fühlte sich dieser Abend fast schon ungewohnt entspannt an.
Wir kochten uns zunächst etwas zu essen und schauten uns dann verschiedene Perspektiven an. Als sich die Sonne langsam dem Horizont näherte, baute ich meine Kamera direkt am Parkplatz auf und wartete auf das richtige Licht. Diesmal spielte das Wetter tatsächlich mit.
Warmes Abendlicht fiel auf die Landschaft und sorgte für eine wunderschöne goldene Stunde. Genau solche Momente hatte ich mir vor der Reise erhofft. Während ich die Szenerie mit meinem Teleobjektiv fotografierte, ließ ich zusätzlich meine DJI Mini 3 Pro steigen. Aus der Luft eröffneten sich mir völlig neue Perspektiven auf die Küstenlandschaft und die feinen Strukturen rund um die Burg.


Zum ersten Mal seit vielen Tagen konnte ich den Sonnenuntergang völlig entspannt genießen. Es gab keine Wettermodelle, keine hektischen Standortwechsel und keine Wolkenbank, die sich in letzter Sekunde vor die Sonne schob. Einfach fotografieren und den Moment genießen!
Nach Sonnenuntergang begannen wir mit der Planung für den letzten Morgen. Über Google Maps suchten wir nach einem passenden Motiv und entschieden uns schließlich für Loch Tulla. Also machten wir uns noch am selben Abend auf den Weg und fuhren die rund zweieinhalb Stunden Richtung Edinburgh.
Am nächsten Morgen erwartete uns dort eine ganz besondere Stimmung. Zwar fehlte der erhoffte Nebel, doch dafür wurden die Wolken von der aufgehenden Sonne wunderschön angeleuchtet. Die Landschaft wirkte ruhig und gleichzeitig unglaublich weitläufig.

Natürlich ließ ich mir die Gelegenheit nicht entgehen und startete erneut die Drohne. Aus der Luft konnte ich die geschwungenen Formen der Landschaft deutlich besser herausarbeiten und einige meiner Lieblingsaufnahmen der gesamten Reise fotografieren.
Zurück am Camper kochten wir einen letzten Kaffee, frühstückten gemeinsam und planten die verbleibenden Stunden bis zum Rückflug. Unterwegs hielten wir noch an einem kleinen Wasserfall in der Nähe von Edinburgh. Die Location war allerdings schwieriger zu erreichen als gedacht und fotografisch nicht besonders spannend. Manchmal muss man sich auch eingestehen, dass nicht jeder Fotospot ein Highlight sein kann.
Landschaftsfotografie in Schottland – Licht, Stimmung und Landschaft gezielt fotografieren
Schottland beeindruckt mit rauen Landschaften, wechselndem Licht und einer ganz besonderen Stimmung. Gerade diese Kombination macht die Fotografie dort so einzigartig. Gleichzeitig entscheidet oft das richtige Timing über ein gelungenes Bild.
Auf meiner Fotoreise durch Schottland besuchen wir gezielt ausgewählte Orte zur passenden Zeit und nutzen die Bedingungen vor Ort optimal aus. Du lernst, diese Stimmungen fotografisch umzusetzen – von der Bildkomposition bis zur bewussten Arbeit mit Licht und Perspektive.
Rückkehr nach Edinburgh
Wir fuhren zum Hotel, gaben unser Gepäck ab und brachten den Camper zur Roadsurfer-Station zurück. Nach elf Tagen auf den Straßen Schottlands fühlte sich die Rückgabe des Campers fast etwas seltsam an. Gleichzeitig war ich froh, dass die gesamte Reise ohne technische Probleme oder Schäden am Fahrzeug verlaufen war.
Zurück im Hotel packten wir unsere Koffer, reinigten das Stativ und die Schuhe und gönnten uns endlich eine ausgiebige Dusche. Am Abend machten wir uns noch einmal auf den Weg in die Altstadt von Edinburgh. Nach einem kleinen Spaziergang fanden wir einen gemütlichen Burgerladen und bestellten Burger mit Süßkartoffelpommes.
Nach zehn Tagen mit Essen aus der Campingküche schmeckte dieses Abendessen doppelt so gut wie unter normalen Umständen. Während wir dort saßen und auf die vergangenen Tage zurückblickten, wurde mir langsam bewusst, dass unsere Schottlandreise tatsächlich schon fast vorbei war.
Hat sich die Reise nach Schottland gelohnt?
Am Abreisetag konnte ich diese Frage noch nicht beantworten.
Zu diesem Zeitpunkt überwog die Enttäuschung. Wir waren 13 Tage unterwegs, hatten unzählige Kilometer im Camper zurückgelegt, erlebt Regen und Sturm und deutlich weniger spektakuläre Lichtstimmungen als erhofft. Mehrfach standen wir zum Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang am richtigen Ort und wurden dann wenige Minuten vor dem entscheidenden Moment von einer Wolkenbank ausgebremst.
Rückblickend sehe ich die Reise allerdings völlig anders.
Schottland hat mir nämlich einmal mehr gezeigt, dass Landschaftsfotografie nicht planbar ist. Natürlich kann man Fotospots recherchieren, Sonnenstände analysieren und Wettermodelle vergleichen. Am Ende entscheidet jedoch die Natur selbst, welche Bedingungen sie einem schenkt.
Genau das macht für mich den Reiz der Landschaftsfotografie aus.
Besonders in Erinnerung geblieben sind mir nicht die verpassten Sonnenuntergänge oder die Regentage. Es sind die kleinen Momente dazwischen: die Fahrten durch die Highlands, die stürmischen Nächte im Camper, die spontanen Gespräche mit anderen Fotografen, der erste warme Burger nach Tagen, zubereitet in der Campingküche, und natürlich die wenigen Lichtstimmungen, die wir uns hart erarbeiten mussten.
Fotografisch war die Reise vielleicht nicht die erfolgreichste Tour meines Lebens. Persönlich gehört sie aber definitiv zu den Erlebnissen, an die ich mich bis heute gerne erinnere.
Würde ich nochmals nach Schottland reisen? Definitiv.
Trotz Regen, Sturm und Frust zählt Schottland für mich zu den faszinierendsten Reisezielen Europas. Die Kombination aus rauer Landschaft, ständig wechselndem Wetter und unzähligen fotografischen Möglichkeiten macht jede Reise einzigartig. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum ich sicher nicht zum letzten Mal dort gewesen bin.
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