Das Problem mit der Perfektion in der Landschaftsfotografie

Perfektion in der Landschaftsfotografie. Gibt es das? Viele Jahre hab ich geglaubt, dass das Ziel der Landschaftsfotografie sei, DAS perfekte Foto zu fotografieren. Der perfekte Sonnenaufgang. Der perfekte Sonnenuntergang. Der perfekte Wasserfall.

Nach vielen Jahren auf der Jagd nach den perfekten Landschaften bin ich gescheitert. Das Problem mit diesem Ideal ist, dass alles andere als „perfekt“ per Definition ein Versagen ist. Es braucht nur einen Makel, um ein Bild davon abzubringen, perfekt zu sein.

Ich suchte aktiv nach Fehlern in meinen Bildern. Ich würde entweder versuchen, sie in der Nachbearbeitung zu verbessern oder das Bild vollständig zu verwerfen. Der Perfektionswahn hinderte mich oft daran, nach Draußen zu gehen. Keine Wolken am Himmel? Da lohnt sich das Fotografieren des Sonneuntergangs nicht. Wasserfall nur bei halber Strömung? Bleib lieber zu Hause bis zum nächsten großen Regen.

Landschaftsfotografen sind immer auf der Suche nach dem besten Licht und prognostizieren oft das Wetter, um optimale Aufnahmebedingungen zu erwischen. Doch was passiert, wenn der Himmel nicht wie vorrausgeagt wird? Oder die Vorhersage doch nicht gutes Licht verspricht? Oft hält uns dieses Ideal vollständig vom Fotografieren ab. Das Problem ist, dass uns das Streben nach Perfektion lähmt und die Weiterentwicklung einschränkt.

Untätigkeit kann als sicherer angesehen werden, als es zu versuchen und daran zu scheitern. Wir finden Ausreden. Wir hören auf, unsere fotografische Arbeit zu teilen.

Der beste Weg nach vorn ist, die Fotografie nicht mehr als Alles-oder-nichts-Suche zu betrachten. Die harte Wahrheit ist, dass wir diese Perfektion in der Landschaftsfotografie niemals erreichen werden. Nachdem wir ein großartiges Bild fotografiert und bearbeitet haben, hindert uns nichts daran, eine Woche später ein durchschnittliches Bild zu machen.

Wir haben gute Tage und wir haben schlechte Tage. Aber selbst wenn wir einen schlechten Tag haben, lohnt es sich (vielleicht erst nach einigen Monaten) zurückzukehren, um die Aufnahmen von diesem Tag zu bearbeiten. Oft durchforste ich meinen Lightroom-Katalog und finde Fotos von vor 2-3 Jahren und denke mir: Warum habe ich diese nicht bearbeitet? Welche Aspekte der Bilder waren schlecht – die Belichtung, das Wetter, die Komposition?

Der Trick, um die Lähmung der Perfektion zu überwinden, besteht darin, sich die Freiheit zu geben, zu scheitern. Und dann daraus zu lernen. Wenn wir einen Schritt zurücktreten, um unsere Fotografie als lebenslange Beschäftigung mit Höhen und Tiefen zu betrachten, können wir der Illusion der Perfektion entkommen.

Die Natur ist nicht perfekt, sondern chaotisch und wild. Das Ziel der Landschaftsfotografie ist nicht, makellose Szenen zu schaffen. Stattdessen ist die Landschaftsfotografie eine Reise, um flüchtige Momente der Schönheit, Ehrfurcht und Emotion in einer unvollkommenen Welt einzufangen.

Geht raus, genießt unsere wunderschöne Natur und lass Dich nicht von der vermeintlichen Perfektion ausbremsen. Denn Perfektion in der Landschaftsfotografie gibt es nicht.

Eine Idee zu “Das Problem mit der Perfektion in der Landschaftsfotografie

  1. Uli M. sagt:

    Hallo Florian, es ist ein starkes Statement den Hang oder die Jagd nach Perfektion zu hinterfragen. Als Naturwissenschaftler kann ich dir nur bestätigen, das letztlich die Natur immer überlegen sein wird – man nennt das in unserem Genre „Entropie“, quasi die Energie der Unordnung die sich immer unumkehrbar maximiert. Dies zu akzeptieren ist so etwas wie Weisheit, letztlich ist dann Zufriedenheit mit einem unperfekten Zustand/Foto der „Stein der Weisen“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*