Der Test von Radiant Photo hat mich über mehrere Wochen begleitet, da ich wissen wollte, ob KI-basierte Bildbearbeitung meinen Workflow als Landschaftsfotograf tatsächlich verbessern kann. Schließlich versprechen immer mehr Programme, RAW-Dateien automatisch zu optimieren und innerhalb weniger Sekunden zu beeindruckenden Ergebnissen zu gelangen.

Deshalb habe ich Radiant Photo sowohl als eigenständiges Programm als auch als Plug-in für Lightroom intensiv getestet. Die ersten Ergebnisse wirkten durchaus vielversprechend: Farben wurden verstärkt, Kontraste angepasst und die Bilder erhielten automatisch mehr Wirkung.

Gleichzeitig stellte sich mir jedoch schnell die Frage, ob die KI meine Bildidee tatsächlich versteht oder lediglich nach einem vorgegebenen Schema arbeitet. Genau hier zeigten sich im Alltag die größten Unterschiede zu meiner bisherigen Bildbearbeitung.

In diesem Radiant-Photo-Test zeige ich dir meine Erfahrungen mit der Software, ihre größten Vor- und Nachteile und warum ich Radiant Photo heute selbst nicht mehr nutze. Du erfährst außerdem, für wen das Programm trotzdem eine interessante Lösung sein kann.

Was ist Radiant Photo überhaupt?

Radiant Photo ist eine KI-basierte Software zur Bildbearbeitung. Sie analysiert Fotos automatisch und soll sie optimieren. Das Programm ist sowohl als eigenständige Anwendung als auch als Plug-in für Lightroom und Photoshop verfügbar.

Die Idee dahinter ist einfach: Anstatt jedes Bild manuell zu bearbeiten, analysiert die Software den Bildinhalt und nimmt automatisch Anpassungen bei Belichtung, Farben, Kontrast oder Details vor. Laut Hersteller soll so bereits nach wenigen Sekunden ein fertiges Bild entstehen, das nur noch minimal nachbearbeitet werden muss.

Gerade für Hobbyfotografen klingt dieser Ansatz zunächst sehr interessant. Schließlich verbringen viele Fotografen deutlich mehr Zeit am Computer als hinter der Kamera. Radiant Photo möchte genau dieses Problem lösen und die Bildbearbeitung so einfach wie möglich gestalten.

Während meines Test von Radiant Photo habe ich die Software hauptsächlich als Plug-in für Lightroom genutzt. Dadurch konnte ich die Ergebnisse direkt mit meiner gewohnten Bearbeitung vergleichen und schnell erkennen, wo die Stärken und Schwächen des Programms liegen.

Wichtig zu verstehen ist, dass Radiant Photo weder ein RAW-Konverter wie Lightroom oder RapidRAW ist, noch eine vollständige Bildverwaltung bietet. Die Software konzentriert sich ausschließlich auf die Bildbearbeitung und die automatische Optimierung von Fotos.

Für viele Fotografen kann genau das ein großer Vorteil sein. Für andere, insbesondere wenn man einen sehr eigenen Bildstil verfolgt, kann dieser Ansatz aber auch schnell an Grenzen stoßen.

Mein erster Eindruck von Radiant Photo

Als ich Radiant Photo zum ersten Mal ausprobierte, war ich positiv überrascht. Die Software liefert bereits nach wenigen Sekunden ein fertig bearbeitetes Bild und sorgt oft für mehr Kontrast, kräftigere Farben und eine insgesamt intensivere Bildwirkung.

Insbesondere bei flachen RAW-Dateien sahen die Ergebnisse auf den ersten Blick oft besser aus als das unbearbeitete Ausgangsbild. Viele Fotos wirkten direkt lebendiger und mussten nicht erst mühsam entwickelt werden.

Besonders positiv fiel mir die einfache Bedienung auf. Das Programm ist sehr intuitiv aufgebaut und erfordert keine großen Vorkenntnisse in der Bildbearbeitung. Genau deshalb halte ich Radiant Photo insbesondere für Anfänger für interessant. Bereits nach wenigen Minuten findet man sich zurecht und kann die ersten Bilder bearbeiten.

Allerdings zeigten sich bei meinen Landschaftsaufnahmen schnell die Grenzen der automatischen Bildbearbeitung. Ein gutes Beispiel dafür ist die Aufnahme von goldenem Nebel, die ich für meinen Test verwendet habe. Und ja, der Nebel war tatsächlich so goldfarben, wie er auf dem Originalbild zu sehen war.

Während die Aufnahme in Lightroom die warme Lichtstimmung sehr gut wiedergab, wirkte das Ergebnis in Radiant Photo deutlich blasser. Gleichzeitig verschob die Radiant Photo im Test die Farben stärker in Richtung Gelb und Grün, wodurch ein Teil der besonderen Stimmung verloren ging. Auch die feinen Strukturen im Nebel wurden nicht optimal herausgearbeitet.

Außerdem fiel mir auf, dass Radiant Photo dem Bild keine vergleichbare Klarheit oder Dunstentfernung hinzufügte, wie ich sie häufig in Lightroom verwende. Gerade bei Nebelaufnahmen nutze ich diese Werkzeuge sehr gezielt, um Strukturen sichtbar zu machen, ohne die natürliche Atmosphäre zu zerstören.

An diesem Beispiel wurde für mich deutlich, wo die Grenzen der KI-Bildbearbeitung liegen. Zwar analysiert die Software das Bild technisch korrekt, sie kann jedoch nicht erkennen, welche Lichtstimmung oder Bildwirkung ich als Fotograf ursprünglich erzielen wollte.

Radiant Photo Test: Belichtungsreihen bei Sonnenuntergang

Als Landschaftsfotograf bin ich oft zur Zeit des Sonnenauf- bzw. Sonnenuntergangs unterwegs. Dabei fotografiere ich häufig Belichtungsreihen, um die gesamten Tonwerte auf drei bis fünf Fotos zu erfassen. Anschließend habe ich die Fotos in Lightroom als Belichtungsreihe zusammengefügt und sie von dort zu Radiant Photo exportiert. Beim Testen von Radiant Photo war ich zunächst sehr skeptisch, ob das funktioniert.

Das Ergebnis der KI-basierten Bearbeitung mit Radiant Photo gefiel mir schon deutlich besser als das Beispiel mit dem Nebel, da die Farben der Stimmung vor Ort deutlich näherkommen.

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Warum ich Radiant Photo heute nicht mehr nutze

Auch wenn Radiant Photo einige interessante Ansätze bietet, nutze ich die Software heute nicht mehr. Das liegt allerdings nicht daran, dass das Programm grundsätzlich schlecht wäre. Vielmehr habe ich während meines Tests festgestellt, dass mein persönlicher Anspruch an die Bildbearbeitung ein anderer ist.

Als Landschaftsfotograf habe ich häufig bereits während der Aufnahme eine konkrete Vorstellung davon, wie das fertige Bild später wirken soll. Manchmal möchte ich eine Szene sehr weich und ruhig bearbeiten, ein anderes Mal bewusst mehr Kontrast oder Dramatik erzeugen. Genau diese Entscheidung treffe ich lieber selbst als eine KI.

Das größte Problem besteht dabei weniger in der Technik als in der Interpretation eines Bildes. Radiant Photo analysiert zwar Farben, Kontraste und Motive, kann aber nicht die Stimmung erkennen, die ich vor Ort wahrgenommen habe. Dadurch sind während meines Tests immer wieder Bilder entstanden, die technisch durchaus gut aussahen, aber nicht meiner persönlichen Bildidee entsprachen.

Hinzu kommt, dass ich nach der automatischen Bearbeitung ohnehin viele Anpassungen wieder verändert habe. Wenn ich am Ende erneut Farben, Kontraste oder andere Regler anpassen muss, kann ich meiner Meinung nach auch direkt in Lightroom oder RapidRAW arbeiten. Dort habe ich von Anfang an die volle Kontrolle über das Bild.

Ein weiterer Punkt ist mein genereller Umgang mit KI in der Fotografie. Ich nutze künstliche Intelligenz durchaus in meinem Workflow, allerdings an anderen Stellen. Beispielsweise beim Entrauschen von Bildern oder beim Erstellen von Masken für den Himmel. Dort spart KI Zeit und übernimmt Aufgaben, die früher deutlich aufwendiger waren. Vor kurzem habe ich einen Artikel über künstliche Intelligenz in der Fotografie geschrieben.

Bei Farben, Kontrasten oder der eigentlichen Bildwirkung bevorzuge ich dagegen die manuelle Bearbeitung. Für mich gehört genau dieser kreative Prozess zur Landschaftsfotografie dazu.

Radiant Photo vs Lightroom – die größten Unterschiede

Während meines Test von Radiant Photo wurde schnell klar, dass sich dieses Programm und Lightroom eigentlich nur schwer direkt miteinander vergleichen lassen. Beide Programme verfolgen einen völlig unterschiedlichen Ansatz.

Radiant Photo konzentriert sich ausschließlich auf die Bildbearbeitung und setzt dabei stark auf automatische Optimierungen durch KI. Lightroom ist dagegen deutlich mehr als nur ein Bearbeitungsprogramm. Es kombiniert Bildverwaltung, Archivierung, RAW-Entwicklung und zahlreiche weitere Werkzeuge in einer einzigen Software.

Gerade für Landschaftsfotografen macht das einen großen Unterschied. In Lightroom kann ich meine Bilder verschlagworten, bewerten, organisieren und anschließend weiterverarbeiten. Auch Funktionen wie HDR-Zusammenfügungen, Panoramen oder umfangreiche Maskierungen gehören mittlerweile zum Standard.

Radiant Photo bietet all diese Funktionen nicht. Die Software verfolgt einen anderen Ansatz und zielt vor allem darauf ab, schnell zu einem fertigen Bild zu führen. Für viele Hobbyfotografen kann das völlig ausreichend sein. Wer seine Bilder möglichst unkompliziert bearbeiten möchte, wird mit Radiant Photo vermutlich schneller ans Ziel kommen als mit Lightroom.

Wer dagegen einen eigenen Bildstil entwickelt hat und größere Bildarchive verwaltet, wird die zusätzlichen Möglichkeiten von Lightroom meist nicht mehr missen wollen. Genau deshalb bin ich persönlich wieder zu meinem klassischen Workflow zurückgekehrt.

Warum gute Landschaftsfotos nicht durch KI entstehen

Eine Erkenntnis hat sich während meines Tests immer wieder bestätigt: Gute Landschaftsfotos entstehen nicht am Computer, sondern draußen vor Ort.

Natürlich spielt die Bildbearbeitung eine wichtige Rolle. Farben, Kontraste oder kleinere Optimierungen gehören für mich genauso zur Fotografie wie die Aufnahme selbst. Trotzdem ist die Bildbearbeitung meiner Meinung nach nur der letzte Schritt eines deutlich größeren Prozesses.

Entscheidend sind vielmehr die Lichtstimmung, die Komposition und die Bedingungen vor Ort. Ob ein Bild bei Sonnenaufgang, in einem Nebelmeer oder unter der Milchstraße entsteht, kann keine Software nachträglich ersetzen.

Gerade in der Landschaftsfotografie investiere ich deshalb deutlich mehr Zeit in die Planung einer Aufnahme als in die spätere Bearbeitung. Oft verbringe ich Stunden mit der Suche nach dem richtigen Motiv, beobachte Wetterentwicklungen oder fahre mehrmals zu einer Location zurück, bis die Bedingungen wirklich passen.

Genau deshalb betrachte ich KI in der Bildbearbeitung eher als Werkzeug und nicht als kreativen Ersatz für den Fotografen. Zwar kann eine Software Farben verändern oder Kontraste erhöhen, doch sie kann nicht entscheiden, wann das Licht perfekt ist oder welche Komposition die stärkste Bildwirkung erzeugt.

Die handwerkliche Landschaftsfotografie bleibt für mich deshalb der wichtigste Bestandteil meines Workflows.

Wo ich KI in der Bildbearbeitung trotzdem nutze

Obwohl ich der automatischen Bildbearbeitung kritisch gegenüberstehe, nutze ich künstliche Intelligenz durchaus regelmäßig. Allerdings nutze ich sie an anderen Stellen als Radiant Photo.

Insbesondere beim Entrauschen moderner Kameradateien hat KI in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Programme wie Lightroom liefern hier mittlerweile beeindruckende Ergebnisse und ermöglichen die saubere Bearbeitung selbst von Aufnahmen mit höheren ISO-Werten.

Auch beim Erstellen von Masken nutze ich KI regelmäßig. Wenn ich beispielsweise nur den Himmel bearbeiten möchte, erkennt Lightroom diesen heute innerhalb weniger Sekunden automatisch. Früher war das deutlich aufwendiger und musste oft manuell erfolgen.

Genau bei solchen Aufgaben sehe ich den größten Nutzen von KI. Sie übernimmt technische Arbeitsschritte und spart Zeit, ohne dabei in meine Bildgestaltung einzugreifen. Deshalb spielt KI in meinem Workflow zwar eine Rolle, allerdings eher als Unterstützung im Hintergrund und nicht als kreativer Entscheider.

Für wen ich Radiant Photo trotzdem empfehlen würde

Auch wenn ich Radiant Photo heute selbst nicht mehr nutze, gibt es durchaus Fotografen, denen ich diese Software empfehlen würde.

Sie ist besonders interessant für Menschen, die keine große Lust haben, sich intensiv mit Bildbearbeitung auseinanderzusetzen. Wer seine RAW-Dateien schnell entwickeln und ohne viel Einarbeitung ansprechende Ergebnisse erzielen möchte, findet hier eine sehr einfache Lösung.

Gerade Hobbyfotografen profitieren häufig von diesem Ansatz. Nicht jeder möchte Stunden in Lightroom verbringen oder sich mit komplexen Bearbeitungsworkflows auseinandersetzen. Für sie steht das Fotografieren selbst im Vordergrund und die Bildbearbeitung soll möglichst unkompliziert bleiben.

In solchen Fällen kann Radiant Photo durchaus sinnvoll sein. Die automatische Bearbeitung liefert oft bessere Ergebnisse als die JPEG-Dateien direkt aus der Kamera und spart gleichzeitig viel Zeit.

Wer dagegen Freude an der Bildbearbeitung hat oder seinen eigenen Stil entwickeln möchte, wird die Software vermutlich anders bewerten. Genau deshalb gibt es meiner Meinung nach keine allgemeingültige Antwort darauf, ob Radiant Photo gut oder schlecht ist. Es kommt letztlich darauf an, welche Erwartungen man an die Bildbearbeitung hat.

Fazit – lohnt sich Radiant Photo wirklich?

Nach mehreren Wochen im Praxiseinsatz fällt mein Test von Radiant Photo insgesamt gemischt aus. Die Software macht vieles richtig und bietet insbesondere Hobbyfotografen einen sehr einfachen Einstieg in die Bildbearbeitung.

Die automatische Analyse funktioniert häufig erstaunlich gut und sorgt innerhalb weniger Sekunden für deutlich ansprechendere Bilder. Wer wenig Zeit investieren möchte oder sich nicht intensiv mit Lightroom und Photoshop beschäftigen will, erhält mit Radiant Photo eine unkomplizierte Lösung.

Trotzdem habe ich mich nach dem Test bewusst gegen eine weitere Nutzung der Software entschieden. Der Grund dafür liegt weniger in der Qualität der Ergebnisse als vielmehr in meiner persönlichen Herangehensweise an die Fotografie.

Ich möchte selbst entscheiden, wie Farben, Kontraste und Lichtstimmungen wirken. Gerade in der Landschaftsfotografie ist die Bildbearbeitung für mich Teil des kreativen Prozesses und kein technischer Arbeitsschritt. Deshalb bevorzuge ich nach wie vor die manuelle Bearbeitung meiner RAW-Dateien.

Am Ende gilt deshalb das Gleiche wie bei Lightroom, RapidRAW oder jeder anderen Software: Sie ist nicht für jeden Fotografen geeignet. Man muss sie ausprobieren und anschließend entscheiden, ob der eigene Workflow davon profitiert.

Für meinen persönlichen Workflow als Landschaftsfotograf lautet die Antwort heute klar: nein, für viele Hobbyfotografen kann Radiant Photo dagegen durchaus eine sinnvolle und zeitsparende Lösung sein.


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2 Meinungen zu “Radiant Photo im Test – Meine Erfahrung als Landschaftsfotograf

  1. Manfred Sawilla sagt:

    Danke für den Beitrag, ich arbeite noch nicht mit Bildbearbeitung und verwende alle Sportfotos so wie geschossen.
    Frage: würdest du mir die besprochene Radiant dafür empfehlen ohne Lightroom?
    Danke für eine kurze Antwort.

    • Florian Orth sagt:

      Hallo Manfred 🙂 Am Ende kommt es ein wenig auf deine Ansprüche an. Möchtest du möglichst wenig Zeit in die Bildbearbeitung investieren, ist der Einsatz von Radiant ausreichend. Sollen die Fotos auch gedruckt werden, kann die Kombination mit Lightroom sinnvoll sein.

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