Landschaftsfotografie Tipps. Ich werde immer wieder gefragt, ob und wie ich meine Landschaftsfotos bearbeite. Die Farben, der hohe Dynamikumfang, das geisterhafte Wasser – viele denken das ist doch alles in Photoshop entstanden, oder? Weit gefehlt! Bei der Entwicklung meiner Landschaftsfotos optimiere ich zwar Feinheiten wie den Kontrast, den Weißabgleich oder Tiefen und Lichter. Aber aus einer schlechten Aufnahme zaubere auch ich kein Meisterwerk. Deshalb müssen die Fotos schon bei der Aufnahme zu hundert Prozent passen. Für Landschaftsfotografen gibt es einige wichtige Regeln die grandiose Landschaftsbilder garantieren.

Tipps für die Landschaftsfotografie

Regel 1: Niemals ohne Stativ

Ein robustes Stativ ist in der Landschaftsfotografie Pflicht. Vile zu häufig sehe ich Fotografen, die ohne Stativ unterwegs sind – selbst zum Polarlicht fotografieren. Ein Stativ ist für viele zu schwer und umständlich doch gerade in der Landschaftsfotografie ist es unerlässlich. Mit dem Stativ ist man unabhängig und kann auch mit Belichtungszeiten über 1/2 Sekunde belichten. Ein vernünftiger Bildaufbau ist für mich ohne Stativ sehr schwierig. Mithilfe eines Stativ kann der Bildaufbau exakt bestimmt werden und in Ruhe fotografieren. Bei Bachläufen wird oft mit Belichtungszeiten zwischen 1-5 Sekunden gearbeitet. Spätestens dort und bei Lanzeitbelichtung ist das fotografieren ohne Stativ unmöglich. Wer auf der Suche nach einem robusten und leichten Stativ ist und zu Beginn keine 500€ ausgeben möchte/kann sollte sich das Rollei C5I* ansehen. Derzeit arbeite ich mit dem Rollei Rock Solid Alpha* welches ab 450€ zu kaufen ist und ich jedem mit empfehlen kann.

 

Regel 2: Die richtigen Einstellungen

Erst vor kurzem konnte ich im Pfälzer Wald sehen wie einige Fotografen die Landschaft im Automatik-Modus fotografierten. Die Kamera weiß nicht, welchen Effekt du erzielen willst. Wilst du die Brandung wie Nebel ablichten oder soll das Wasser dynamisch bleiben? Solche Entscheidungen kann die Kamera nicht für dich treffen. Ich rate immer dazu, die Kamera auf den manuellen Modus (meinstens M-Modus) zu stellen und alles so vorzugeben, damit das Foto nicht dem Zufall überlassen wird.

Bei Landschaftsfotos geht nichts über scharfe Bilder. Ich nutze in der Regel an einer Kamera mit APS-C-Sensor einen Blendenwerte zwischen 11 und 13, um scharfe Fotos zu bekommen. Bei Kameras mit einem APS-C-Sensor hast du mit größeren Beugungsproblemen als bei einer Vollformat zu kämpfen. Fotografen mit einem APS-C-System sollten daher weniger stark abblenden als bei einer Vollformat (Blende 11 oder 18). Für die Nacht gelten andere Regeln. Da sollte man die maximale Offenblende verwenden (Blende f1.8-3.5)

Ebenso wichtig wie die richtige Blende ist der Fokus. Hier lautet das Stichwort Hyperfokale Distanz. Das ist die Distanz, auf die man bei einer bestimmten Blende scharfstellen muss, um den Tiefenschärfenbereich optimal auszunutzen. Da es zu viele Kombinationen aus Sensorgröße, Blendenzahl und verwendetem Objektiv gibt, ist eine pauschale Aussage leider nicht möglich. Die Hyperfokaldistanz kann im Internet oder mit verschiedenen Apps (z.B. Photopills) berechnet werden. Wenn dir das zu kompliziert ist, stellst du den Fokus auf unendlich. Wo genau der Fokus beim jeweiligen Objektiv liegen sollte, ist eine Frage des Ausprobierens (nie den Fokusring bis zum Anschlag drehen!). Den Unterschied zur hyperfokalen Distanz wirst du bei weit geschlossener Blende kaum bemerken.

Die ISO: Viele Anfänger machen oft den Fehler, mit höheren ISO-Werten als 100 zu arbeiten. Dafür gibt es in der Landschaftsfotografie nur selten einen Grund. Höhere ISO-Werte nutze ich meist nur in der Nacht für die Milchstraße oder um Sterne zu fotografieren. Es ist außerdem essentiell wichtig, die Bilder im RAW-Format zu schießen. Das RAW-Format enthält wesentlich mehr Bildinformationen als das stark komprimierte JPG-Format.

Regel 3: Das richtige Objektiv

Kurz und knapp: Wenn du dich der Landschaftsfotografie verschreibst, kommst du an einem Weitwinkelobjektiv nicht vorbei. Zwar können auch Teleaufnahmen durchaus beeindrucken, aber in der Regel greifen Landschaftsfotografen eher zu (Ultra)Weitwinkelobjektiven. An einer Vollformatkamera sind 12mm bis 20mm ideal. An einer Kamera mit APS-C-Sensor entspricht das einer Brennweite von 8mm bis 13mm. Doch bei einer Kamera mit APS-C-Sensor sollte maximal ein Objektiv mit 10mm (auf APS-C umgerechnet) verwendet werden. Für Kameras mit APS-C empfehle ich das 10-20mm f3.5 von Sigma (ca. 400€), 11-16mm Tokina f2.8 (ca. 500€) oder das Walimex Pro 14mm f2.8 (ca. 400€) welches auch an Vollformat-Systeme geeignet ist.

Regel 4: Die Drittel-Regel

In der Landschaftsfotografie gibt es viele Möglichkeiten, den Bildaufbau zu gestalten. Dabei solltest du die Drittel-Regel, bei der entweder ein Drittel Himmel oder ein Drittel Vordergrund zu sehen ist beachten. Bei interessanten Vordergrund wähle ich 2/3 für den Vordergrund 1/3 für den Himmel. Im manchen Situationen lohnt ich auch nur 1/4 Himmel und 3/4 Vordergrund einzurichten.

 

Regel 5: Der richtige Vordergrund

Wenn du mit einem Weitwinkelobjektiv losziehst, brauchst du in jedem Fall einen interessanten Vordergrund. Ein Stein, der besonders hervorsticht, große Blüten, ein Muster im Fels oder die Brandung am Meer eignen sich hervorragend, um deinen Landschaftfotos eine Tiefe zu verleihen und den Betrachter regelrecht in das Bild zu ziehen.

 

Regel 6: Das beste Licht

Dies ist einer der wichtigsten Tipps für die Landschaftsfotografie. Die beeindruckendsten Landschaftsfotos entstehen zur Goldenen Stunden, Blauen Stunde sowie in der Nacht. Bei der Goldenen Stunde, also Zeitraum nach Sonnenaufgang beziehungsweise vor Sonnenuntergang, wirft die Sonne lange Schatten und taucht die Landschaft regelrecht in goldenes Licht. Die Farben sind intensiv und die Schatten verleihen den Bildern etwas mystisches. Ebenso spektakuläre Landschaftsfotos entstehen zur Blauen Stunde, also der Zeit vor Sonnenaufgang oder nach Sonnenuntergang. Direktes Licht, etwa zur Mittagszeit, ist dagegen sehr hart – deine Aufnahmen verlieren an Brillanz und Farbe.

 

Regel 7: Die Wolken, dein Freund

Immer wieder treffe ich draußen viele Naturliebhaber. Ziemlich oft höre ich: “Welch ein schönes Wetter”. Doch um atemberaubende Fotos zu machen, sind Wolken am Himmel unverzichtbar. Wolken verleihen der sonst recht langweiligen Fläche eine interessante Struktur und dienen während der Goldenen Stunde als Diffusor für das Sonnenlicht. Mit Wolken am Himmel gelingen die besten Gegenlichtaufnahmen. Außerdem eignen sich Wolken, die über den Himmel ziehen, hervorragend für Langzeitbelichtungen.

 

Regel 8: Filter in der Landschaftsfotografie

Filter zaubern spektakuläre Effekte in jedes Landschaftsbild. Mit einem Graufilter verlängerst du die Belichtungszeit. Verschwommene Wolken oder Wasser, das wie Nebel erscheint, sind der Effekt. Polfilter kommen auch häufig zum Einsatz, etwa um Spiegelungen auf dem Wasser zu entfernen oder um die Wolken am Himmel noch imposanter erscheinen zu lassen. Mit einem Grauverlaufsfilter bekommst du selbst schwierigste Lichtsituationen in den Griff. Oftmals ist der Himmel im Vergleich zum Vordergrund zu hell, speziell bei Gegenlichtaufnahmen. Der Grauverlaufsfilter hilft dir, den viel zu hohen Kontrast in den Griff zu bekommen. Vor kurzem schrieb ich einen ausführlichen Guide zum Thema Verlaufs- und Graufilter.

 

Fazit:

Mit diesen einfachen Regeln und Tipps für die Landschaftsfotografie gelingen dir in Zukunft garantiert bessere Bilder. Hier findest du alle Tipps nochmal im Überblick. Und vergiss nicht: Übung macht den Meister. Neben der Theorie darf natürlich die Praxis nicht zu kurz kommen.

  • Stativ und Fernauslöser benutzen
  • Immer im RAW-Format fotografieren
  • Tagsüber die Blende auf 8-13 schließen
  • Nachts offenblendig fotografieren
  • ISO niedrig wie Möglich
  • Fokus auf Hyperfokale Distanz
  • Drittel-Regel beachten

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