Wenn man über Polfilter in der Landschaftsfotografie spricht, stellt man schnell fest, dass kaum ein anderer Filter so unterschätzt wird und gleichzeitig so großen Einfluss auf ein Bild haben kann. Während viele klassische Fotofilter heute kaum noch eine Rolle spielen, ist der Polfilter für mich nach wie vor eines der wichtigsten Werkzeuge. Er kann Reflexionen entfernen, Farben intensivieren und Strukturen sichtbar machen, die ohne ihn verloren gingen.
Gerade an Seen, im Wald oder an der Küste entscheidet der Polfilter oft darüber, ob ein Foto Tiefe und Klarheit erhält – oder flach und kontrastarm bleibt. Und genau deshalb erlebe ich in meinen Workshops immer wieder Aha-Momente, wenn Teilnehmer:innen zum ersten Mal erleben, wie stark der Effekt tatsächlich ist.
In diesem Beitrag zeige ich dir, wie ein Polfilter funktioniert, wann er seinen größten Vorteil ausspielt und warum sich viele seiner Effekte später nicht mehr in der Bildbearbeitung korrigieren lassen. Wenn du bisher unsicher warst, ob sich ein Polfilter lohnt oder wie du ihn richtig einsetzt, bist du hier genau richtig. Hier findest du alles, was du wissen musst.
Was macht ein Polfilter
Ein Polfilter, genauer gesagt ein zirkularer Polarisationsfilter, steuert Licht, das in einer bestimmten Richtung reflektiert wird. Dadurch kannst du Reflexionen auf nichtmetallischen Oberflächen gezielt reduzieren. Ob Wasser, Laub, Glas, nasse Steine, Lack oder feuchte Baumrinde – all diese Materialien reflektieren Licht, und genau hier kommt der Polfilter zum Einsatz.
Das Entscheidende: Diese Reflexionen lassen sich später in Lightroom oder Photoshop nicht einfach „wegregeln”. Wenn eine Spiegelung im Foto vorhanden ist, bleibt sie auch im Foto erhalten. Wenn Details unter dieser Reflexion verborgen sind, bekommst du sie ohne Polfilter nicht mehr zurück.
Deshalb gehört der Polfilter für mich auch heute, trotz moderner Sensoren und KI-Tools, zu den wenigen Filtern, die in der Landschaftsfotografie wirklich unverzichtbar sind.

Was der Polfilter bewirkt:
- Reflexionen entfernen oder reduzieren: Dadurch erscheinen Farben und Oberflächen klarer. Besonders Wasseroberflächen werden durchsichtig, Laub wirkt saftiger, Steine bekommen Struktur.
- Farben intensivieren: Ein Polfilter sorgt nicht einfach für „mehr Sättigung“, sondern für eine natürlichere, tiefere Farbwirkung, die kein Preset der Welt nachahmen kann.
- Kontrast verbessern: Gerade in der Mittagssonne oder bei feuchtem Wetter wirkt die Szene ohne Polfilter schnell flach. Der Filter bringt Struktur zurück.
- Himmel abdunkeln – aber nur in Maßen: Dieser Effekt wird oft überschätzt und manchmal sogar zum Problem (dazu später). Aber er lässt sich bewusst nutzen, um Wolken dramatischer wirken zu lassen.
In meinen Workshops erlebe ich immer wieder: Wer einmal bewusst mit einem Polfilter fotografiert hat, nimmt ihn nie wieder aus der Tasche.
Wann ein Polfilter in der Landschaftsfotografie unverzichtbar ist
Auch wenn viele Filter in der digitalen Fotografie an Bedeutung verloren haben, gibt es Situationen, in denen ein Polfilter für mich nach wie vor unverzichtbar ist. Das ist besonders dann der Fall, wenn Reflexionen das Motiv verändern oder wichtige Details vollständig verschlucken. Genau in diesen Momenten zeigt der Polfilter seine Stärke.
Am eindrucksvollsten ist das immer wieder am Wasser zu sehen. Ohne Filter wirkt die Oberfläche oft wie ein heller, spiegelnder Fleck, der die Strukturen darunter vollständig verdeckt. Mit Polfilter öffnet sich dagegen eine neue Ebene: Steine, Pflanzen und Muster unter der Oberfläche werden sichtbar und das Wasser erhält plötzlich Tiefe und Charakter. Dieser Effekt lässt sich später in Lightroom nicht simulieren – entweder du fängst ihn vor Ort ein oder du hast ihn für immer verloren.

Ähnlich ist es im Wald. Feuchte Blätter, nasses Holz oder moosbewachsene Felsen reflektieren Licht sehr stark, wodurch Farben flach und unruhig wirken. Sobald der Polfilter diese Reflexionen reduziert, kehren die natürlichen Grüntöne zurück und die Texturen wirken viel klarer. Besonders an regnerischen Tagen oder im Herbst kann ein Motiv dadurch erst richtig lebendig werden.

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Auch nach einem Regenschauer oder generell in feuchten Landschaften zeigt sich dieser Unterschied deutlich. Nasse Oberflächen glänzen oft so stark, dass sie die Formen überstrahlen. Mit dem Polfilter verschwinden diese störenden Highlights und das Motiv wirkt sofort harmonischer und natürlicher.
Dieser Effekt gilt nicht nur für klassische Naturmotive. Selbst in Städten, beispielsweise bei Schaufenstern, Fenstern oder Wasserflächen, kann ein Polfilter Reflexionen so verändern, dass eine Szene viel ruhiger und klarer wirkt. Ich nutze das zwar selten im Landschaftskontext, aber es zeigt, wie vielseitig dieser Filter tatsächlich ist.
Kurz gesagt: Immer dann, wenn Reflexionen mehr zerstören als betonen, ist der Polfilter für mich unverzichtbar. Und genau deshalb gehört er zu den wenigen Filtern, die ich in der Landschaftsfotografie wirklich regelmäßig nutze.
Wie du einen Polfilter richtig einsetzt (und typische Fehler vermeidest)
Der Polfilter ist einer dieser Filter in der Landschaftsfotografie, den viele zwar besitzen, aber nicht richtig einsetzen. Das liegt vor allem daran, dass sich der Effekt stark nach dem Winkel zur Lichtquelle richtet und man ein Gespür dafür entwickeln muss, wie sich die Reflexionen im Motiv tatsächlich verändern. Ich drehe den Filter deshalb immer langsam und beobachte genau, was im Bild passiert. Manchmal wird das Wasser klarer, manchmal verschwinden Spiegelungen im Laub und manchmal passiert fast gar nichts. Genau das sorgt oft für Frustration, wenn man den Filter zum ersten Mal benutzt.
Was viele nicht wissen: Ein Polfilter wirkt am stärksten, wenn das Licht seitlich einfällt. Bei direktem Gegenlicht oder einem zu flachen Sonnenstand verändert sich dagegen oft nur wenig. Das ist völlig normal und kein Zeichen dafür, dass der Filter „schlecht“ ist. Im Gegenteil, es zeigt, dass der Effekt physikalisch bedingt und nicht künstlich ist. Deshalb merke ich mir: Wenn ich Reflexionen kontrollieren möchte, muss ich mich auch selbst ein wenig bewegen und die Position zum Licht bewusst verändern.


Eine häufige Falle ist der Himmel. Durch den Polfilter kann er stellenweise dunkler wirken, was vor allem bei Weitwinkelobjektiven der Fall ist. Dadurch entstehen schnell ungleichmäßige Himmelsverläufe, die sich später nur schwer korrigieren lassen. Ich verwende den Polfilter am Himmel daher nur sehr sparsam und setze ihn eher punktuell ein, um Reflexionen im Vordergrund zu entfernen, ohne den gesamten Himmel zu stark zu polarisieren.
Polfilter richtig drehen
Wichtig ist auch, den Filter nicht zu stark zu drehen. Es gibt nicht nur „an“ oder „aus“. Oft ist die beste Einstellung irgendwo dazwischen: genug Effekt, um störende Reflexionen zu reduzieren, aber nicht so viel, dass das Motiv unnatürlich wirkt. Dazu gehört etwas Gefühl, doch das entwickelt sich schnell, wenn man bewusst auf die kleinen Veränderungen achtet.
Ein Punkt, den viele unterschätzen, ist: Ein Polfilter nimmt Licht weg. Nicht viel, aber doch so viel, dass du die Belichtungszeit im Blick behalten solltest – besonders bei Wind oder wenn du sich bewegende Pflanzen fotografierst. Hier lohnt es sich, die ISO-Zahl leicht zu erhöhen oder die Blende zu öffnen, um Verwacklungen zu vermeiden.
Für mich ist der Polfilter einer der wenigen Filter für die Landschaftsfotografie, die man wirklich aktiv steuern muss, um das Beste aus ihnen herauszuholen. Und genau das macht ihn so wertvoll: Er zwingt dich, bewusster zu fotografieren und genauer hinzuschauen, wie Licht und Oberfläche miteinander reagieren.
Polfilter verlieren 2-3 Blendenstufen. Je nach Modell kann eine leichte Vignette entstehen, welche ohne Probleme in Lightroom korrigiert werden kann. Umgekehrt kann die längere Belichtungszeit aufgrund der Verdunklung auch nützlich sein, da du z.B. am Wasserfall länger belichten kannst ohne auf einen ND-Filter zurückgreifen zu müssen.
Warum der Polfilter in der Nachbearbeitung nicht ersetzbar ist
Viele Fehler lassen sich heute problemlos in Lightroom korrigieren, Reflexionen gehören jedoch nicht dazu. Sobald Wasser, nasse Blätter oder glänzende Felsen Licht zurückwerfen, verschwinden Strukturen, die deine Kamera nicht aufnehmen kann. Diese Informationen fehlen in der RAW-Datei und lassen sich später nicht wiederherstellen. Genau deshalb ist der Polfilter für mich einer der wichtigsten Filter für die Landschaftsfotografie überhaupt.
Besonders deutlich sieht man das an Bergseen oder kleinen Bächen. Ohne Polfilter wirkt die Oberfläche oft glatt und hell, doch was darunter liegt, bleibt unsichtbar. Drehst du den Filter, werden plötzlich Steine, Pflanzen und Muster sichtbar, die dem Bild Tiefe verleihen. Diesen Effekt kann keine Software simulieren, er entsteht nur im Moment der Aufnahme.
Das Gleiche gilt für Waldmotive. Nasses Laub und feuchte Stämme reflektieren so stark, dass die Farben flach wirken. Ein Polfilter nimmt diesen Glanz heraus und bringt natürliche, satte Töne zurück. Lightroom kann zwar Highlights reduzieren, die Reflexion selbst bleibt jedoch bestehen.
Kurz gesagt: Ein Polfilter verhindert nicht nur Probleme, sondern ermöglicht auch Bilder, die ohne ihn gar nicht existieren würden. Und genau deshalb gehört er für mich in jede Kameratasche.

Worauf du beim Kauf eines Polfilters achten solltest
Wenn du zum ersten Mal einen Polfilter kaufen möchtest, wirken die Preisunterschiede oft überraschend groß. So kosten manche Filter 30 €, andere hingegen mehr als 150 €. Doch wie so oft in der Fotografie macht die optische Qualität den entscheidenden Unterschied. Ein guter Polfilter sollte das Licht gleichmäßig polarisieren, ohne die Farben zu verfälschen oder den Kontrast künstlich zu verändern. Günstige Modelle neigen dazu, einen Farbstich zu erzeugen oder das Bild leicht „milchig” wirken zu lassen – besonders bei Weitwinkelobjektiven.
Ein weiterer Punkt ist die Vergütung. Hochwertige Polfilter besitzen mehrere Beschichtungen, die Reflexionen reduzieren und die Reinigung erleichtern. Das macht besonders bei Regen oder Sprühwasser, etwa am Meer oder an Wasserfällen, einen enormen Unterschied. Ich habe früher oft mit günstigen Filtern gearbeitet und festgestellt, dass sich Tropfen darauf viel stärker festsetzen und sich nur schwer entfernen lassen. Heute nutze ich fast ausschließlich Polfilter mit Nano-Coating, da sie sich im Alltag bewährt haben.
Wichtig ist auch die Bauhöhe. Wenn du gerne mit 14–24 mm oder ähnlichen Brennweiten arbeitest, kann ein zu dicker Filter schnell zu Vignettierungen führen. Slim-Filter vermeiden dieses Problem, lassen sich aber manchmal schlechter greifen, insbesondere mit Handschuhen. Hier lohnt es sich, auf ein Modell zu setzen, das trotz seiner schlanken Bauweise eine angenehme Haptik hat.
Viele Fotografen fragen mich, ob es ein Markenprodukt von Nisi, Kase oder Haida sein muss. Wenn du Landschaftsfotografie ernst nimmst, wirst du die Investition in ein Markenprodukt nicht bereuen. Ein guter Polfilter hält Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte, und er beeinflusst das Bild bereits im Moment der Auslösung. Genau deshalb ist er eines der wenigen Werkzeuge, bei denen ich persönlich nicht sparen würde.
💡 Der große Vergleich der Filterherstellter: Welche Filtermarken ich selbst verwende und wie sie sich im Alltag schlagen, kannst du in meinem Testbericht zu NiSi, Haida und Kase nachlesen -> NiSi, Haida, Kase Filter im Test
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So setzt du den Polfilter in der Landschaftsfotografie richtig ein
Einen Polfilter richtig zu nutzen, ist einfacher, als man denkt. Ein paar Details entscheiden jedoch über den Unterschied zwischen einem harmonischen und einem unnatürlichen Bild. Der stärkste Effekt entsteht, wenn die Sonne seitlich scheint. Deshalb drehe ich den Filter nach dem Ansetzen langsam durch und beobachte, wie sich Reflexionen und Farben verändern. So finde ich schnell die ideale Position.
Am Wasser zeigt ein Polfilter besonders gut, was er kann: Spiegelungen verschwinden, Strukturen im Untergrund werden sichtbar und das Bild wirkt sofort klarer. Im Wald sorgt er dafür, dass die Reflexionen auf den Blättern verschwinden und die satten Grüntöne zum Vorschein kommen. Viele merken erst dann, wie viel Ruhe ein Bild bekommt, wenn diese kleinen Spiegelpunkte verschwinden.
Doch nicht immer ist ein Polfilter sinnvoll. Bei extremen Weitwinkelaufnahmen kann der Himmel fleckig wirken und bei Panoramen entstehen oft sichtbare Übergänge, da sich der Polarisationswinkel ständig ändert. Außerdem nimmt der Filter ein bis zwei Blenden Licht, was mit Stativ aber kaum ein Problem ist.

Wenn du unsicher bist, mache einfach zwei Bilder: eines mit und eines ohne Filter. So bekommst du schnell ein Gefühl dafür, wann sich der Einsatz wirklich lohnt. Mit der Zeit wirst du den Polfilter intuitiv einsetzen, weil du genau weißt, wie stark er die Bildwirkung verbessern kann.
Fazit – Warum der Polfilter für viele Motive unverzichtbar bleibt
Für mich gehört der Polfilter zu den wenigen Filtern, die in der Landschaftsfotografie noch einen echten Unterschied machen. Er entfernt Reflexionen, verstärkt Farben und erzeugt eine Tiefe, die sich später in der Bildbearbeitung nur schwer ersetzen lässt. Egal, ob am Wasser, im Wald oder an der Küste: Mit einem gut eingestellten Polfilter wirken Motive oft sofort klarer, ruhiger und definierter.
Wichtig ist, dass du ihn bewusst einsetzt, also nicht bei jedem Foto, sondern nur, wenn Licht und Situation es hergeben. Mit etwas Übung erkennst du schnell, wann es sich lohnt, den Filter zu verwenden, und wann du besser darauf verzichtest.
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