Sterne und Milchstraße fotografieren – Tutorial [2022]

Die besten Voraussetzungen, um die Sterne und Milchstraße zu fotografieren.

milkyway la palma

Wo kann die Milchstraße und der Sternenhimmel am besten fotografiert werden? Bei uns in Deutschland und MItteleuropa eignen sich die Monate April bis Oktober am besten, da das Zetrum der Milchstraße über dem Horizont zu sehen ist. Jedoch wird es im Juni / Juli durch die späten Sonnenuntergänge sowie frühen Sonnenaufgang nicht dunkel genug, um die Milchstraße perfekt zu fotografieren. Sehr gute Monate sind Mai, August, September und Oktober. Damit ihr ein schönes Bild des galaktischen Zentrums erstellen könnt, empfehle ich euch für eure Reiseplanung auf jeden Fall eine Astronomie-App zu nutzen, die euch den Stand der Sterne in Abhängigkeit von Zeit und Ort anzeigt.

Zu Beachten ist auch das Umgebungs- und Mondlicht. Durch die Lichtverschmutzung der Städte und Dörfer ist es nur selten möglich, in dessen Nähe die Milchstraße oder den Sternenhimmel zu fotografieren. Neben der Lichtverschmutzung muss auch das Mondlicht beachtet werden. Da der Mond von der Sonne angeleuchtet wird, kann der Mond ein großer Störfaktor sein. Deshalb checke ich mithilfe von PhotoPills immer vor dem Fotografieren die Mondauf- und Monduntergangszeiten sowie Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Den ausführlichen Guide zur Nachtfotografie findest du hier.

Sterne und Milchstraße fotografieren – Tutorial

Kamera, Objektiv und weiteres Equipment

Um die Milchstraße zu fotografieren, ist nicht unbedingt eine teure Vollformat-Kamera nötig. Das erste Bild der Milchstraße fertigte ich mit einer Nikon D3300 und dem Kit-Objektiv. Grundsätzlich sollte die Kamera mit ISO-Werten zwischen 800 und 4500 umgehen können. Bei heutigen APS-C Kameras sind ISO-Werte bis zu 3200 kein Problem mehr.

Neben der Kamera spielt auch das Objektiv eine wichtige Rolle. Emfehlenswert ist ein Objektiv mit einer Brennweite zwischen 10-20mm (bei APS-C Kamera) und 12-24mm an einer Kamera mit Vollformat-Sensor. In der Nachtfotografie sollte das Objektiv über eine hohe Lichtstärke verfügen, damit genügend Licht auf den Sensor der Kamera fällt. Empfehlenswert ist eine Blende zwischen f1.4 und f3.5. Je kleiner die Blende desto besser.

In den ersten Jahren fotografierte ich ausschließlich mit einem Kitobjektiv und einer Offenblende von f3.5 und realisierte meine ersten Fotos der Milchstraße. Besonders für Anfänger kann ich das 14mm von Samyang* empfehlen. DIes ist bereits ab 350 Euro erhältlich.

Das Stativ ist neben der Kamera einer der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände. Seit vielen Jahren nutze ich Rock Solid Beta von Rollei. Zwar kostet das Stativ rund 280 Euro, jedoch hält das Stativ allen Bedingungen stand.

Bei Langzeitaufnahmen nutze ich meist einen Fernauslöser/Timer. Daruch besteht nicht die Gefahr, dass die Kamera bewegt wird und somit das Bild unscharf wird.

Fokussieren bei Nacht

Scharfe Fotos sind besonders bei der Sternenfotografie extrem wichtig. Am besten gelingt dies, wenn die Kamera auf unendlich fokussiert ist. Hierzu schalte ich die Kamera auf den Live-View, zoome digital auf z.B. einen Stern oder auf einen hellen Punkt in weiter Entfernung. Mithilfe des Fokusring kann der Fokus optimal eingestellt werden. Der Stern sollte hierbei so klein wie Möglich sein.

Die Kameraeinstellungen

Das Fotografieren der Milchstraße ist kein Hexenwerk. Als Ausgangsbasis sind folgende Einstellungen sinnvoll:

  • ISO 1600 – 3200
  • Offenblende (wir haben ja kein Licht zu verschenken)
  • 25 Sekunden bei 14 mm, bei längeren Brennweiten, entsprechend kürzer. Dann muss ggf. die ISO Zahl erhöht werden.

Aufgrund der Erdrotation kann das Foto nicht minutenlang belichtet werden. Als Faustregel für die längste “scharfe” Belichtungszeit bei einem APS-C-Sensor könnt ihr euch 300/Brennweite merken. Bei einer Kamera mit Vollformat-Sensor nutze ich 500/Brennweite.

Bsp: An meiner Nikon Z6 (Vollformat-Sensor) möchte ich ein Objektiv mit 20mm nutzen. In diesem Fall greift die Formel 500/20 (Brewnnweite) und ich könnte maximal 25 Sekunden belichten. Bei einer Kamera mit APS-C Sensor könnte ich durch die Formel 300/20 nur 15 Sekunden belichten.

Selbst die Formel liefert manchmal nur Anhaltspunkte. Dem Ergebniss dieser Formel ziehe ich meist noch 2-3 Sekunden zur Sicherheit ab. Nachdem ich die erste Testaufnahme gefertigt habe, zoome ich in das Bild hinein und schaue, ob die Sterne scharf zu sehen sind und nicht zu Strichen werden.

Pro-Tipp: Um in der Nachbearbeitung das Rauschen zu minimieren, fertige ich vor Ort 5-7 Fotos der Milchstraße aus gleicher Perspektive und den gleichen Einstellungen. Nach dem Import in Lightroom passe ich den Weißabgleich an und exportiere diese als TIFF-Datei. Anschließend nutze ich Sequentor um die einzelnen Fotos zu verrechnen und das fertige Foto zur finalen Bearbeitung in Lightroom zu importieren.

Damit ich in der Nachbearbeitung das beste aus dem Bild herausholen kann, fotografiere ich im RAW-Format. Dadurch werden mehr Details des Sternenhimmels im Foto gespeichert und dir bleiben mehr Möglichkeiten, das Foto zu bearbeiten. Schau Dir gerne meine “Nightsky” Lightroom-Presets an.

Fazit

Eigentlich ist das Fotografieren der Milchstraße kein Hexenwerk und denoch verzweifeln viele Fotografen an diesem Motiv. Ich hoffe, dass ich euch mit diesem Blog weiterhelfen konnte! Eine große und ausführliche Anleitung findest Du auch als eBook.

Um die Milchstraße zu fotografieren muss man nicht tausende Kilometer um die Welt reisen. Oft lassen sich auch in Deutschland viele wunderbare Locations finden. Besonders kann ich den Pfälzerwald und den Schwarzwald empfehlen.

Eine Idee zu “Sterne und Milchstraße fotografieren – Tutorial [2022]

  1. Chris sagt:

    Das du so wertvolle Tipps kostenlos zur Verfügung stellst ist wirklich ein feiner Zug von dir. Danke, für deine Selbstlosigkeit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*